Mittwoch, 29. Jänner 2003

Rechtsextreme drohen in Kärnten mit Mordanschlägen

  • Ziele: Kindergarten, Schule, Feuerwehr und Gemeinde als
  • Droh-E-Mails stammen von deutschem Absender

Ein ganzer Ort in Österreich wird offenbar von Neonazis bedroht: In der Kärntner Gemeinde Feistritz im Rosental herrscht helle Aufregung. Eine anonyme Gruppe, die sich selbst als "rechtsextrem" bezeichnet, bedroht öffentliche Einrichtungen wie Kindergarten, Schule, Feuerwehr oder das Gemeindeamt mit Mordanschlägen.

Bürgermeister Hubert Gradenegger von der SPÖ erklärte gegenüber der Presseagentur, er nehme die Drohungen sehr ernst. Die Ermittlungen der Staatspolizei laufen auf Hochtouren.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Drohungen aus dem rechtsextremen Milieu kommen", sagte Gradenegger. Zum einen sei die Textierung der Drohungen sehr radikal, zum anderen habe es vor einigen Wochen auch Spray-Aktionen in der Gemeinde gegeben. Der Name "Storm" wurde an Hauswände und Plakatständer gesprüht, unter diesem Namen agiert eine rechtsradikale Gruppierung in Deutschland.

Kein Jux
Die E-Mails wurden laut Bürgermeister an die örtliche Schule, das Feuerwehrzentrum, an die Gemeinde, aber auch an ein Gasthaus und einige Privatadressen in Feistritz geschickt. Als Absender konnte eine Adresse in Deutschland eruiert werden. Auch dies spreche für den Ernst der Angelegenheit. Dass es sich um einen "Jux" handle, den sich jemand machen wolle, schließt Gradenegger aus.

In dem E-Mail brüstet sich die "rechtsextreme Gruppe", wie sie sich selbst bezeichnet, damit, über große Mengen an Waffen und Sprengstoff zu verfügen und jederzeit einen Anschlag verüben zu können. Als mögliche Ziele für einen Mordanschlag wurden in dem Mail praktisch alle öffentlichen Zentren der Gemeinde, bis hin zur örtlichen Bank oder dem Feuerwehrzentrum genannt.

"Ich fühle mich als Bürgermeister der Bevölkerung verpflichtet, eine Warnung an die Menschen zu richten", rechtfertigte Gradenegger seine Entscheidung, die Sache publik zu machen. Er habe nach Erhalt der Drohung sofort die Behörden verständigt, die alle notwendigen Maßnahmen ergriffen hätten. Der Polizei wäre es, so der Bürgermeister, allerdings wesentlich lieber gewesen, er hätte die Causa geheim gehalten, um die Ermittlungen nicht zu erschweren.

"Das kann ich aber nicht tun, außerdem wissen es im Ort ohnehin schon die meisten, da die Drohungen ja an mehrere Empfänger gegangen sind", so Gradenegger. Er rufe jedenfalls alle Bürger dazu auf, vorsichtig zu sein und vor allem "nichts anzugreifen, was verdächtig erscheint". Er denke da etwa an herrenlose Gepäckstücke, auffällig deponierte Schachteln, Dosen oder Ähnliches.

Zusammenhang mit Gemeinderatswahl?
Dass die Drohungen mit der bevorstehenden Gemeinderatswahl zu tun haben könnten, will in Feistritz niemand glauben. "Bei uns geht es in der Gemeinde doch immer friedlich zu, das ist völlig unvorstellbar", heißt es allseits. Die Gemeinde Feistritz im Rosental (Bezirk Klagenfurt-Land) wird seit jeher von der SPÖ geführt, daran änderte sich auch nichts, als Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider das Gut im Bärental bezog. Seine Frau Claudia ist derzeit auch Gemeinderätin in Feistritz.

29.1.2003 12:28