Dienstag, 28. Jänner 2003

Pockenimpfstoff nur für 15 Prozent der Bevölkerung

  • Aufstockung für die kommenden Monate geplant

Erschreckend! Das Gesundheitsministerium hat lediglich für zehn bis 15 Prozent der österreichischen Bevölkerung für den Fall eines Bioterroranschlags Pocken-Impfstoff eingelagert. Das berichtete am Dienstag der zuständige Sektionschef des Gesundheitsministeriums, Hubert Hrabcik, gegenüber dem ORF-Report. "Es ist nur notwendig, einen bestimmten Ballungsraum versorgen zu können, so der Spitzenbeamte.

Der Impfstoff, den Österreich seit vergangenem Dezember in Hochsicherheitslagern des Bundesheeres aufbewahrt, stamme vom internationalen Pharma-Konzerns Baxter, der auch die USA mit rund 175 Millionen Dosen Impfstoff beliefert hat. Das Gesundheitsministerium habe für den Ankauf des Impfstoffs rund 3,5 Millionen Euro ausgegeben, so Hrabcik laut ORF. Eine Aufstockung sei für die kommenden Monate geplant. Insgesamt soll ein Drittel der Bevölkerung versorgt werden können.

Das Ministerium habe in Zusammenarbeit mit dem Obersten Sanitätsrat einen Alarmplan ausgearbeitet, hieß es weiter. Bereits jetzt soll im Bereich der Impfstoff-Produktion, in Labors und ausgewähltes Gesundheitspersonal auf freiwilliger Basis geimpft werden. Sollte weltweit irgendwo ein Pockenfall auftreten, wird das Schlüsselpersonal geimpft, bei einem Pockenfall in Europa oder gar in Österreich sollen bestimmte Bevölkerungsteile versorgt werden beziehungsweise Reisebeschränkungen in Kraft treten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bioterroristischer Anschlag den Einsatz von Pocken-Impfstoff in Österreich notwendig macht, wird vom Gesundheitsministerium als "sehr gering" eingeschätzt. An eine vorsorgliche Impfung der gesamten Bevölkerung ist laut Hrabcik daher in keinem Fall gedacht, da die Nebenwirkungen des Pocken-Impfstoffs erheblich sein könnten. Die klinischen Prüfungen des Impfstoffs seien noch nicht abgeschlossen, das Produkt deswegen gar nicht gesetzlich zugelassen.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazins "profil" (aktuelle Ausgabe) hatte Gesundheitsminister Herbert Haupt (F) die Einlagerung "größerer Mengen" von Pocken-Impfstoff bestätigt.

28.1.2003 19:12