Montag, 27. Jänner 2003

Jugendliche "Lovestory" endete vor Gericht in Steyr

  • "Romeo" schlug seine "Julia"
  • Nicht rechtskräftiges Urteil: 600 Euro Geldstrafe

Eine "Lovestory" zwischen einer 15-Jährigen und einem 19-Jährigen endete am Montag vor dem Landesgericht in Steyr. Die große, von den Eltern des Mädchens abgelehnte Liebe zerbrach, was schließlich dazu führte, dass "Romeo" seine "Julia" schlug. Er wurde deshalb wegen Kindesentziehung, schwerer Nötigung und Körperverletzung angeklagt.

Bei dem Prozess ging es um Vorfälle im Sommer 2002. Bei dem jugendlichen Liebespaar handelte es sich um eine damals 15-jährige katholische Kroatin und einen 19-jährigen moslemischen Bosnier. Die Eltern des Mädchens waren gegen diese Verbindung. Deswegen tauchten die beiden Verliebten unter.

Doch die großen Gefühle hielten nicht lange. Bei Auseinandersetzungen zwischen den beiden gebrauchte er "handfeste" Argumente: Einmal schlug er ihr mit einer Pistole ein blaues Auge, einmal versetzte er ihr Faustschläge, einmal stieß er sie gegen eine Sitzbank. "Wenn du mich verlässt, musst du aufpassen, was du tust!", sagte er auch zu ihr.

Das Mädchen - Zeugin der Anklage - trennte sie sich von ihm, dann lief sie ihm wieder nach: "Widersprüchlich" argumentierte der Verteidiger vor Gericht für seinen Mandanten. "Ein Abhängigkeitsverhältnis", beurteilte die Staatsanwältin. Das Urteil: Schuldig der Kindesentziehung und der Körperverletzung. Für eine Verurteilung wegen schwerer Nötigung war dem Richter die "aufpassen!"-Äußerung des Angeklagten zu unbestimmt, "zu dünn".

Die Strafe: 600 Euro, davon 400 bedingt auf drei Jahre. Die 200 Euro unbedingt aus sozialpräventiven Gründen, erläuterte der Einzelrichter, damit der Angeklagte lerne, dass Beziehungen "so nicht laufen". Weiters gab es 1.000 Euro Schmerzensgeld für "Julia". "Romeo" erbittet sich Bedenkzeit. Die Staatsanwältin gibt keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

27.1.2003 12:27