Montag, 20. Jänner 2003

Österreich: Mobilkom sieht nur für 3 Mobilfunker Platz

  • Nemsic: Keine Geschäftsmodelle für tele.ring, Tele2 & Hutchison

Die beiden Marktführer im heimischen Mobilfunk, Mobilkom und T-Mobile Austria, geben mehr als drei Anbietern im österreichischen Handymarkt keine Chance. "Drei Anbieter können am österreichischen Markt überleben, einen Business-Case für den Vierten gibt es", ist Mobilkom-Chef Boris Nemsic überzeugt. An ein erfolgreiches Geschäft für den vierten Anbieter tele.ring bzw. Hutchison und Tele2, die heuer im österreichischen Mobilfunk starten wollen, glaubt er nicht.

Der Mobilkom-Chef sieht in der steigenden Zahl von Anbietern "keinen Mehrwert für den Markt". "Wenn man sich was vormachen will, ist das kein Problem." Dies funktioniere aber nur, wenn man "reiche Onkels" in Hongkong oder den USA habe. "Die Frage ist nur wie lange", meinte Nemsic in Anspielung auf die Eigentümer von Hutchison und tele.ring bei einer Podiumsdiskussion am IIR-Kongress "Mobilfunkmarkt 2003".

T-Mobile gegen tele.ring
Noch klarere Worte gegen tele.ring fand T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl: Das Modell kenne man aus der Immobilienbranche, wo man meine, "ein Hotel rechnet sich erst, wenn es drei Mal Pleite geht". "Ökonomisch sinnvoll sind nicht mehr als drei Mobilfunk-Betreiber", meint auch Pölzl. Mehr Anbieter könnten nur aus "kurzfristiger, opportunistischer Sicht" funktionieren. Dem Wirtschaftsstandort werde damit aber geschadet, warnt er.

Kritik an tele.ring-Tarifen
Kritik üben beide vor allem an jüngsten tele.ring-Tarifen, bei denen man netzintern um 1 Cent pro Minute telefoniert. Laut Nemsic ist dies keinesfalls kostendeckend. Nach Ansicht Pölzls sind dadurch künftige Investitionen gefährdet. "Wenn 50 reiche Onkel das machen, ist die Branche kaputt", so der T-Mobile-Chef.

tele.ring kontert
tele.ring-Marketing-Chef Michael Krammer weist die Vorwürfe zurück. Der neue Tarif sei komplex und kostendeckend. Der Kundenumsatz sei seit Einführung des neuen Tarifes gestiegen. Im heurigen Jahr werde tele.ring deutlich Cash-flow-positiv und mit einem kräftigen Umsatzwachstum abschließen. Raum für mehr Anbieter als drei gebe es jedenfalls, so Krammer.

One sieht Platz für 4
Mehr Spielraum am Markt sieht auch One-Marketingchef Christian Czech. Seiner Meinung nach können vier Infrastrukturbetreiber kostendeckend arbeiten. Platz für virtuelle Anbieter gibt es nach Meinung Czechs noch "für einige".

Konzentration auf europäischer Ebene
Hutchison Austria-Chef Berthold Thoma erwartet eine Konzentration weniger auf österreichischer als vielmehr auf europäischer Ebene. Ähnlich wie im Medienmarkt werde es bei auch bei Mobilfunkdiensten zu einer Konzentration am europäischen Markt kommen. Die, die übrig bleiben, würden dann auch am österreichischen Markt vertreten sein, meint Thoma.

Weitere Informationen:

  • Mobilkom-Website
  • One-Website
  • T-Mobile-Website
  • Telering-Website
  • Hutchison-Website

    20.1.2003 16:50