Digi-TV: Fernsehen der Superlative setzt sich durch
- Tausende digitale Programme warten im All
- PLUS: Ihr persönlicher Sat-Guide 2003
"Also letztes Jahr hab ich ganze drei analoge Sat-Receiver verkauft, der Rest war digital." Alfred Olbort, Sat-Spezialist aus Oeynhausen, Niederösterreich, ist überhaupt nicht traurig über diesen "Verlust", schließlich sind er und unzählige andere Sat-Händler Nutznießer der größten Umrüstaktion aller Zeiten: Digitales Satellitenfernsehen verdrängt analoges Sat-TV landauf, landab. Hunderttausende sind schon umgestiegen, Hunderttausende werden es in den nächsten Jahren noch tun.
Der Grund für den Boom bei Digi-TV ist leicht erklärt. Digital gibts einfach mehr Fernsehen. Zählt man das komplette Angebot der Big Player im europäischen Satelliten-Business, Astra und Eutelsat, zusammen, so kommt man auf die unglaubliche Zahl von 2.360 TV-Kanälen. Der Großteil der Kanäle wird dabei längst digital genutzt. Ein Blick auf die TV-Frequenzlisten einer einzigen Satellitenposition (Eutelsat Hotbird, 13° Ost) enthüllt die Größenverhältnisse: 650 digitalen Sat-Kanälen stehen dort 21 analoge TV-Programme gegenüber.
Ähnlich ist die Situation beim heimischen Sat-Marktleader Astra: Im analogen Bereich halten sich gerade einmal die wichtigsten Hauptsender (öffentlich-rechtlich wie privat), während alle Spartenprogramme und Lokalsender längst in den digitalen Bereich gewechselt sind (siehe auch Sat-Guide Seite 147/148).
Auch kleine Sender können sich Digi-TV leisten
Der Grund für die Broadcaster: Die Miete für einen Satelliten-Übertragungskanal (Transponder) kostet rund 5 bis 6 Millionen Euro pro Jahr. Bei analoger Ausstrahlung verbraucht man pro TV-Kanal einen ganzen Transponder, bei digital komprimierten Programmen bringt man (ohne Qualitätsverlust) 9 bis 11 TV-Sender auf einem Übertragungskanal unter. Nach Adam Riese bedeutet das die digitale Ausstrahlung via Sat kostet nur ein Zehntel der analogen Übertragung. Eine Summe, die sich auch kleine TV-Sender und Spartenkanäle leisten können. Effekt: Innerhalb eines Jahres kamen etwa bei Eutelsat 350 neue Sender und interaktive Digi-Kanäle dazu.
Was braucht man für Digital-TV?
Teuer ist der Einstieg ins digitale Satelliten-Fernsehen gottlob nicht mehr. Johann Dulhofer, Bereichsleiter TV & Sat beim Media Markt Vösendorf: In der absoluten Einsteiger-Variante kommt man unter ¤ 200, davon. Dulhofers Empfehlung für Sparfüchse: eine 80-cm-Stahlschüssel mit Universal-LNC, kombiniert mit einem Hirschmann-ECO-CSR-30-FTA-Digital-Receiver (Einzelpreise siehe links). Gehobenen Einsteigern empfiehlt Dulhofer allerdings ein Set mit Alu-Qualitätsspiegel (rostfrei) und einem neuen Hirschmann-CSR-50-Free-To-Air-Digital-Receiver. Kostenpunkt: € 279,. Der Nachteil einer solchen Einsteiger-Variante: Man kann mit einem Free-To-Air-Receiver nur freie, unverschlüsselte TV- und Radioprogramme empfangen.
Wer digitales Pay-TV wie PREMIERE oder auch ORF sehen will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Grund: Pay-TV-Sender schützen sich durch die Verschlüsselung ihrer Programme vor nicht zahlenden Schwarzsehern, der ORF muss mit seinem digitalen TV-Angebot aus lizenzrechtlichen Gründen das Gleiche tun.
Digi-Receiver mit Decoder
In diesen Fällen benötigt man einen digitalen Sat-Receiver mit eingebautem Decoder oder einen Receiver mit genormten Einschüben (Common Interface, CI) für Decoder-Module, um die codierten Sendungen wieder zu entschlüsseln
Die berühmteste Kombi aus digitalem Sat-Receiver und Decoder, die d-box, kennt inzwischen (fast) jeder. Ihr Nachteil: Ihr Besitzer ist auf einen ganz bestimmten Verschlüsselungsstandard (konkret: BetaCrypt 1) festgelegt. Prinzipielle Änderungen der Entschlüsselung können bestenfalls durch ein komplettes Überschreiben der alten Decoder-Software erfolgen (Nachteil: Man hat dann keinen BetaCrypt-Decoder mehr, sondern beispielsweise einen CryptoWorks-Decoder).
Dies ist insofern bedeutsam, als der ORF seine Verschlüsselung gerade von BetaCrypt 1 auf CryptoWorks umstellen will und der d-box-Besitzer mit 31. 12. 2003 vor die unangenehme Wahl gestellt werden könnte, entweder auf ORF Digital (ab dann nur noch in CryptoWorks verschlüsselt) oder PREMIERE (bis auf Weiteres BetaCrypt) zu verzichten. Vom Hauptbetroffenen PREMIERE Austria heißt es dazu kryptisch: Man werde einen Weg finden, PREMIERE-Abonnenten auch künftig den Empfang von ORF Digital möglich zu machen. Ende Jänner könne man Näheres dazu sagen
Rainer Grünwald
Die ausführliche Story lesen Sie im TV-MEDIA 5/03.
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