Freitag, 24. Jänner 2003

Mängel bei Arzneiinformationen im Internet

  • Forscher testeten Webseiten über Johanniskraut
  • Keine Hinweise auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Ein gesundes Misstrauen sollten Patienten bei der Suche nach Informationen über Arzneimittel im Internet haben. Viele Webseiten weisen nach einer Studie von Klinischen Pharmakologen der Universität Heidelberg gravierende Informationsmängel auf. Die Wissenschafter hatten insgesamt 208 englischsprachige Internetseiten über Johanniskraut untersucht und den Informationsgehalt und die -qualität ausgewertet. Dieses wird als pflanzliches Arzneimittel gegen Depressionen angewendet.

Nach Angaben der Forscher boten nur weniger als ein Viertel aller Internetpräsentationen ausreichende und zuverlässige Informationen über das Präparat an. "Nur 22 Prozent der Websites gaben an, dass die einzige wissenschaftlich belegte Indikation für Johanniskraut die Depression ist", sagt die Klinische Pharmakologin Meret Martin-Facklam. Nur ganze zwei Seiten boten der Wissenschafterin zufolge eine vollständige Liste der möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten an.

Gefährliche Konsequenzen
Wissen aber Patienten nicht über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Bescheid, kann dies gefährliche Konsequenzen haben. So beschleunigt Johanniskraut den Abbau bestimmter Arzneimittel und kann dadurch deren Wirkung vermindern. "Zum Beispiel kann es bei transplantierten Patienten, die das Medikament Ciclosporin einnehmen, zu Transplantationsabstoßungen kommen", sagt Martin-Facklam.

Genaue Information wichtig
Gerade bei nicht verschreibungspflichtigen Naturheilmitteln wie Johanniskraut sei eine genaue und umfassende Information erforderlich, betont die Expertin. Da die Arznei in vielen Ländern frei verkäuflich sei, werde oft nicht Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker gehalten. Eine bessere Qualität hätten vor allem Internetseiten ohne kommerzielle Interessen und solche, bei denen die Informationsquelle in Form von wissenschaftlichen Studien aufgeführt sei.

Auch Mängel bei Online-Viagra-Verkauf
Unklar sei noch, ob die aufgedeckten Qualitätsmängel der einzelnen Internetseiten auch auf andere Arzneimittel übertragen werden könnten. Derzeit werde in einer zweiten Studie die Arzneimittelinformation im Internet zu dem Potenzmittel Viagra untersucht. Erste Ergebnisse machten auch hier Mängel in der Information deutlich, sagt Martin-Facklam.

24.1.2003 10:15