Schüler recherchieren online über Holocaust-Opfer
- Höhepunkt am 5. Mai am Wiener Heldenplatz
- 80.000 weiße Luftballons steigen in die Luft
Die Lebensgeschichte der rund 80.000 österreichischen Holocaust-Opfer sollen Schüler im Rahmen des Projekts "A Letter To The Stars" erforschen. Dabei können sich die Jugendlichen im Internet aus einer Datenbank über die 65.000 jüdischen Opfer oder aus verfügbaren Daten über eine der anderen Opfergruppen eine Person aussuchen, über deren Schicksal sie dann weiter recherchieren. Höhepunkt des Projekts wird am 5. Mai eine Veranstaltung am Wiener Heldenplatz sein, in deren Rahmen 80.000 weiße Luftballons mit persönlichen Briefen an je eines der Opfer in die Luft steigen sollen.
Sein "Wunschtraum" wäre es, dass am Schluss der Initiative eine große Dokumentation über die Opfer in einer Datenbank gespeichert sei, die eventuell als Fundament für das seit langem diskutierte "Haus der Geschichte" dienen könnte, betonte Alfred Worm, Präsident des "Board of Excellence" des Projekts, bei einer Pressekonferenz in Wien. Über die 65.000 österreichischen jüdischen Opfer existiert seit kurzem eine Datenbank, in der zumindest Namen, Geburts- und Deportationsdatum sowie eventuell Todesort und -tag verfügbar sind. Keine vergleichbare Einrichtung gibt es für die geschätzten 15.000 weiteren Opfer wie etwa Widerstandskämpfer, Roma und Sinti, Homosexuelle, "Asoziale", Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. "Wir können die Opfer nicht wieder lebendig machen, aber wir können ihnen Namen, Gesicht und Würde wiedergeben", betonte Projektorganisator Andreas Kuba.
"Adoption" der Opfer
In der Datenbank können sich die Jugendlichen nach verschiedenen Suchkriterien wie Vor- und Zuname, Geburtsdatum und -ort oder auch Straßennamen eine Person aussuchen, die sie für das Projekt "adoptieren". Anschließend recherchieren sie deren persönliches Schicksal und gestalten einen persönlichen Brief, der am 5. Mai (dem "Nationalen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus") am Heldenplatz in die Luft steigt. So soll aus der anonymen Opferliste ein Archiv persönlicher Geschichten werden. Bisher habe die Mehrzahl der 80.000 Opfer nicht einmal ein Grab, so der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Avshalom Hodik.
Historiker unterstützen
Bei der Recherche der Daten werden die Schüler von Historikern unterstützt. Diese könnten den Jugendlichen sagen, in welchen Archiven Genaueres gefunden werden könne und wo bereits lokale Initiativen zur Aufarbeitung des Holocaust existieren, an die sich die Schüler wenden können, betonte Kuba. Bisher haben sich rund 70 Schulen aus allen Bundesländern für das unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Thomas Klestil stehende Projekt angemeldet. Unterstützt wird die von Kuba und Josef Neumayr organisierte Initiative unter anderem von Simon Wiesenthal, Kardinal Christoph Schönborn, dem evangelischen Bischof Herwig Sturm, Ex-Kanzler Franz Vranitzky, Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, dem ehemaligen Bürgermeister Helmut Zilk und dem Leiter des Jewish Welcome Service, Leon Zelman.
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