Donnerstag, 23. Jänner 2003

Weltweit 180 Millionen Menschen arbeitslos!

  • Dramatische Verschlechterungen am globalen Arbeitsmarkt
  • Seit 2000 insgesamt 20 Millionen Arbeitslose mehr

Der weltweite Rückgang der Wirtschaft und die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September haben zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit geführt. Seit 2000 nahm die Zahl der Arbeitslosen weltweit um 20 Millionen auf 180 Millionen 2002 zu. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der am Freitag in Genf veröffentlicht wurde. Der Arbeitsmarkt habe sich weltweit dramatisch verschlechtert, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Da die Aussicht auf einen wirtschaftlichen Aufschwung ungewiss sei, bestehe in diesem Jahr wenig Chance, auf eine Abnahme der Arbeitslosigkeit. Wenn sich die Tendenz einer schwachen oder späten Erholung verlängere, werde die Zahl der Arbeitslosen und armen Arbeitnehmer dramatisch zunehmen. Ende 2002 gab es wie 1998 noch immer 550 Millionen arme Arbeitnehmer, die einen Dollar oder weniger pro Tag verdienen. Eine große Rezession könnte schwerwiegende Auswirkungen auf die soziale und politische Stabilität in vielen Regionen der Welt haben, warnte Somavia.

Platzen der IT-Blase, 11. Sept.
Die Arbeitslosigkeit begann kurz nach dem Platzen der IT-Blase im Frühling 2001 anzusteigen, das zu einer Verlangsamung der Wirtschaft führte, heisst es in dem Bericht. Die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September in den USA verschärften die Rezession. Das schwache Wachstum in den Industrieländern wirkte sich auf die Entwicklungländer aus, wo es vor allem in den exportorientierten Branchen zu Arbeitsplatzverlusten kam. Besonders betroffen waren arbeitsintensive Sektoren wie die Bekleidungsindustrie, die vor allem Frauen beschäftigt.

Arbeitslosenrate stieg in Industrieländern auf 6,9%
In den Industrieländern nahm die Arbeitslosenrate insgesamt von 6,1 Prozent 2000 auf 6,9 Prozent 2002 zu. Sie beträgt in der EU 7,6 Prozent (2001: 7,4), in Australien 6,6 Prozent, in den USA 5,6 Prozent und in Kanada 7,6 Prozent. In Lateinamerika und der Karibik stieg die Arbeitslosigkeit in fast allen Ländern auf rund 10 Prozent, in Argentienien betrug sie 2002 mehr als 20 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit nahm in Lateinamerika von 12 Prozent 1997 auf 16 Prozent 2002 zu.

In Afrika südlich der Sahara stieg die offizielle Arbeitslosenrate von 13,7 Prozent 2000 auf 14,4 im Jahr 2002. In den arabischen Ländern betrug sie 2002 18 Prozent. Die Arbeitslosigkeit nahm in dieser Region vor allem aufgrund des Abbaus im öffentlichen Sektor zu. In Osteuropa betrug sie 2002 13,5 Prozent (2001: 12,6 Prozent; 2000: 13,5 Prozent). In Ostasien betrug die Arbeitslosenrate im letzten Jahr 4 Prozent, in Südasien 3 Prozent, in Südostasien hingegen 6,5 Prozent. In China sind in den urbanen Gebieten offiziell 3,6 Prozent der aktiven Bevölkerung ohne Arbeit. Nach ILO-Schätzungen beträgt die Arbeitslosenrate gegenwärtig jedoch 7,5 Prozent wegen der starken Unterbeschäftigung in der Landwirtschaft.

Eine Milliarde Arbeitsplätze nötig
Um das Ziel der UNO zu erreichen, die Armut bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren, müssen in den nächsten zehn Jahren mindestens eine Milliarde Arbeitsplätze geschaffen werden. Die meisten davon sind in Asien nötig, da bis 2010 rund 60 Prozent der aktiven Weltbevölkerung auf diesem Kontinent leben wird. Die ILO empfiehlt unter anderem eine Diversifizierung der Produktion, um weniger anfällig zu sein. Zudem fordert sie die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie deren Integration in die formelle Wirtschaft.

Die Industrieländer müssten die Zölle für verarbeitete Produkte aus Entwicklungsländern sowie die Massnahmen zum Schutz der eigenen Landwirtschaft vermindern, fordert der Bericht weiter.

23.1.2003 16:03