BBAG sucht internationalem Bierkonzern als Partner
- Büche: Entscheidung "tendenziell noch 2003"
- Ziel: Nummer 1 in Zentral/Osteuropa

Brau-AG auf Partnersuche: In der BBAG-Gruppe wurden die Vorbereitungen zur Hereinnahme eines internationalen Partners aus der Braubranche gestartet. Sondierungen wurden bereits vorgenommen, der Vorstand hat bereits ein Informationsmemorandum an in Frage kommende Partner versandt. Geplant ist eine langfristige Kooperation. Es könnte durchaus zum Mehrheitsverkauf kommen, wobei im Gegenzug auch eine Kapitalverflechtung der Österreicher am künftigen Partner angedacht wäre. Diese offizielle Partnersuche wurde von der Börse mit einem neuerlichen Höhenflug der Aktie quittiert: Der BBAG-Kurs stieg bis Donnerstag 15.00 Uhr um 7,1 Prozent auf 73,73 Euro, ein neues Alltime-High.
Karl Büche, Vorstandschef der börsenotierten Brau Beteiligungs AG, erklärte am Donnerstag im Gespräch mit der APA, dass er in den letzten Wochen Gespräche über eine "strategische Partnerschaft" geführt habe. Namen nannte er nicht, auch zu Spekulationen äußert er sich nicht. Es seien aber "alle bekannte Namen", sagte er. In den Medien waren zuletzt wiederholt u.a. Interbrew, Heineken oder auch South African (SAB) und Scottish & Newcastle genannt worden.
Noch heuer Entscheidung
Eine Entscheidung werde "tendenziell" noch im laufenden Jahr 2003 fallen, sicher aber nicht mehr im ersten Halbjahr. Mit der Partnerschaft will sich die BBAG, die im Konzern mit 8 Brauereien in Österreich und 14 in Osteuropa mit einer Bierproduktion von jährlich 13 Mio. Hektolitern (hl) betreibt, sofort auf Platz eins in Zentral/Osteuropa katapultieren.
Aus alleinigem organischem Wachstum würde das zu lang dauern, so die BBAG-Spitze. Jetzt liegt man auf Platz zwei, für die Führung fehlen zur Zeit etwa 3 Mio. hl. Der Partner sollte demnach also nicht nur Aktivitäten (z.B. Brauereien) in diesem Raum mit einbringen, sondern vor allem auch zusätzliche Vertriebsschienen - und diese neuen Ressourcen sollten "nicht in Zentral/Osteuropa enden", deutete Büche an.
Klares Ziel: Sie Nummer 1
Abgesteckt hat Büche im Memorandum, was die künftige internationale Brau-Allianz bringen soll: Nummer 1-Position und weiteres Wachstum in der Region Mittelosteuropa, "Absicherung der Eigenständigkeit", worunter der Vorstandschef und Mitglied der Eigentümerfamilien vor allem "unsere Headquarterfunktion entlang der Donau" versteht" und den Erhalt der Gruppe als Ganzes: Also die Erweiterung des Biergeschäfts, "Unterstützung" der Alkoholfrei-Aktivitäten (z.B. Pago) und der großen Immobiliensparte. Einen Verkauf von Teilen soll es definitiv nicht geben.
Vorschlähe willkommen
Nach diesen Vorgaben seien die möglichen Partner nun zu konkreten Vorschlägen eingeladen. Für Büche geht es primär um eine enge Kooperation mit Synergien, "neuen operativen Einheiten" für den bestehenden Konzern und die Bündelung von Aktivitäten und Know-how, "nicht nur ums Geld." Als Muster nannte er die jüngsten grenzüberschreitenden Allianzen im Telekombereich. Komme man da im Grundsatz überein, werde dies wahrscheinlich mit einer Kapitalverflechtung untermauert werden.
Auch Eigentümerwechsel nicht ausgeschlossen
"Aus heutiger Sicht schließen wir eine Veränderung der Aktionärsstruktur auch mit Eigentümerwechsel nicht grundsätzlich aus", schreibt Büche in einer Pflichtmitteilung. Und schon gar nicht ausschließen wolle er, dass man sich via Aktientausch auch mit dem Wunschpartner selber verflechten könnte, wie er ergänzte.
Dass es bei der österreichischen BBAG-Gruppe bis zur Abgabe der Mehrheit kommen kann, bestätigt Büche im APA-Gespräch heute durchaus: "An der 51-Prozent-Frage soll die langfristige Absicherung der BBAG-Gruppe nicht scheitern."
Spekulationen
Spekulationen um den Einstieg eines internationalen Partners waren zuletzt Ende des Jahres 2002 neu entbrannt, als die deutsche Oetker/Radeberger-Gruppe bei der BBAG-Mutter Schwechater ausgestiegen war. Ihren 27,2-Prozent-Anteil kauften die österreichischen Kernaktionäre auf. Büche hatte im Dezember bestätigt, dass es nach dem Oetker-Ausscheiden zum Einstieg eines neuen strategischen Partners in der Gruppe kommen wird. Heute sagte er, "wir wollen den Handlungsspielraum aktiv nutzen, der durch den Ausstieg der Oetker-Radeberger-Gruppe entstanden ist." Die neue Partnerschaft wird aber weit größer angelegt.
Gösser, Zipfer,...
Unter dem Dach der BBAG/Brau-Union werden im Inland an 8 Standorten die großen österreichischen Biermarken wie Zipfer, Gösser, Schwechater und Puntigamer produziert, außerdem gehören zur BBAG-Gruppe im Inland Pago Fruchtsäfte und Gasteiner Mineralwasser sowie umfangreicher Immobilienbesitz. Außerhalb Österreichs betreibt die BBAG 14 Brauereien in Osteuropa, die in den letzten 10 Jahren für 400 Mio. Euro zugekauft wurden. Mit einem Bierausstoß von knapp 13 Mio. Hektolitern war die BBAG/Brau Union im Jahr 2001 die größte Braugruppe im deutschsprachigen Raum geworden, und die zweitgrößte in Zentral/Osteuropa. In ganz Europa hält sie auf Platz sechs.
Aktie auf Höhenflug
Analysten heimischer Banken schreiben der Aktie nun noch weitere Fantasie nach oben zu. "Neu ist, dass sie sich wirklich so öffnen", meint man im Markt. Spekulationen gab es ja schon lang.
Dass es auf absehbare Zeit aber schon zu einem "maßgeblichen" Eigentümerwechsel in der von Familienaktionären dominierten Getränkegruppe kommt, wird momentan von Analysten noch angezweifelt. "Einen übermächtigen Partner hereinzunehmen hieße, dass sich die Familien weitgehend zurück ziehen", meinte eine Analystin der RCB zur APA. Zumindest aus der Jahrzehnte langen Vergangenheit wäre dies ein Bruch mit der Tradition. Demgemäß will die RCB in einem weiteren Kurspotenzial keine "Übernahmefantasie" sehen, sondern die Erwartung einer "Vorwärtsstrategie" in der Auslandsexpansion. Die RCB bleibt zunächst bei ihrem Ende 2002 definierten Kursziel von 73 Euro.
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