Britischer Experte: "Öl wird bei Kriegsbeginn billiger"
- Rascher US-Sieg binnen zwei Monaten erwartet
Der Ölpreis wird nach Aussage von Leo Drollas, Chefökonom des Londoner Centre for Global Energy Studies (CGES), bei Kriegsbeginn gegen den Irak wahrscheinlich sinken. Die Händler hatten durch den langen Aufmarsch Zeit genug, sich mit dem Gedanken an einen Krieg anzufreunden.
In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" (Veröffentlichung 23. Jänner) sagte Drollas: "Wegen des monatelangen Aufmarsches der Truppen wird der Kriegsbeginn keinen Händler mehr überraschen, geschweige denn schockieren. Es dürfte vielmehr die Hoffnung überwiegen, dass in der Golfregion bald wieder mehr Sicherheit herrscht."
Ölkrise á la 70er-Jahre fast undenkbar
Die Erfahrungen aus dem letzten Golfkrieg zeigten, so Drollas weiter, dass der Ölpreis direkt im Anschluss an die Attacke auf den Irak um zehn Dollar (9,4 Euro) pro Barrel abgestürzt sei. "Der Grund war, dass die Märkte den US-Truppen einen schnellen Sieg zutrauten. Heute ist die Armee dreimal so gut ausgerüstet." Eine Ölkrise wie in den siebziger Jahren hält der Experte für fast undenkbar. Die irakische Ölproduktion werde zwar ausfallen, "aber die OPEC kann das ausgleichen."
Sieg in zwei Monaten
Im Kriegsfall hält Drollas einen Sieg über den Irak binnen zwei Monaten für das wahrscheinlichste Szenario. "Dann wird ein Barrel der Sorte Brent im zweiten Quartal des Jahres 26 Dollar kosten - 15 Prozent weniger als heute. Im Jahresverlauf wird der Preis dann weiter sinken." Sollte sich der Krieg länger hinziehen, rechnet Drollas zwar mit stetig steigenden Preisen, nicht aber mit Preissprüngen. Nur bei einer sehr unwahrscheinlichen Ausweitung des Krieges auf andere arabische Staaten sei eine ernsthafte Ölkrise zu befürchten. "Im Worst-Case-Szenario können Sie jeden Ölpreis einsetzen, den Sie wollen", sagte Drollas.
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