Dienstag, 21. Jänner 2003

Swisscom kommentiert Einstiegsgerüchte bei TA nicht

  • Schweizer Ex-Monopolist verkaufte Ende 2001 UTA-Beteiligung
  • Swisscom kann nur über Zukäufe wachsen

Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom (Bern) will die Gerüchte über einen mehrheitlichen Einstieg bei der börsenotierten österreichischen Telekom Austria (TA) nicht kommentieren. "Das sind Gerüchte. Und Gerüchte kommentieren wir nicht", orakelte Swisscom-Pressesprecher Christian Neuhaus.

Seit vergangenem Samstag berichten österreichische und internationale Medien über Verhandlungen zwischen Swisscom und TA über eine weit reichende Kooperation bis zu einer Kapitalverflechtung. Auch die TA selbst wollte diese Gerüchte zuletzt nicht kommentieren.

Swisscom war schon da
Für die Swisscom ist der österreichische Telekommarkt kein Neuland. Sie hatte 1998 50 Prozent plus eine Aktie am alternativen Festnetz- und Internetanbieter UTA erworben, die Beteiligung Ende 2001 aber wieder verkauft. Sowohl die Swisscom wie die Telekom Austria sind als Ex-Monopolisten in ihren Heimatländern Marktführer, aber im Festnetzmarkt unter Druck.

Da die Swisscom in der Schweiz kaum Zuwachsraten verzeichnet, kann sie nur über Zukäufe wachsen. Nach den Worten von Swisscom-Chef Jens Alder kann sich sein Unternehmen "eine Akquisition zwischen fünf und zehn Mrd. Franken (umgerechnet zwischen 3,4 Mrd. Euro und 6,9 Mrd. Euro) leisten". Der Gesamtwert der Telekom Austria wird Medienberichten zufolge derzeit von Investmentbankern auf bis zu neun Mrd. Euro geschätzt.

Internationale Verflechtungen
Als Wegbereiter für den Einstieg wird vielfach die britische Vodafone, der weltgrößte Mobilfunkanbieter, genannt, mit dem die TA-Mobilfunktochter Mobilkom Austria erst kürzlich eine langfristige Partnerschaft - allerdings ohne Kapitalverflechtung - geschlossen hat. Vodafone ist in der Schweiz mit 25 Prozent an der Swisscom-Mobilfunktochter Swiss Mobile beteiligt.

25% oder Mehrheit?
Während das Nachrichtenmagazin "Format" zuletzt von einem 25-Prozent-Einstieg der Schweizer bei der TA berichtete, schrieb "profil" in seiner jüngsten Ausgabe gar von einem Masterplan, der vorsieht, dass die Swisscom die Mehrheit an der Telekom Austria übernehmen soll. Die Schweizer seien demnach bereit, zehn bis 15 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs cash zu bezahlen.

Selbst wenn die Swisscom nur ein Viertel der TA-Anteile übernehmen und die ÖIAG und Swisscom im Zuge dessen übereinkommen würden, sich Aufsichtsratssitze nach einem bestimmten Schlüssel untereinander aufzuteilen, müsste laut Gesetz den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot gelegt werden, schreibt "profil". Kauft die Swisscom mehr als 30 Prozent der TA-Aktien, muss sie den anderen Aktionären - inklusive ÖIAG - jedenfalls ein Übernahmeangebot legen.

Die Entscheidung darüber, ob der schweizerische Telefonkonzern wieder in den österreichischen Markt einsteigt, dürfte aber erst nach der anstehenden Regierungsbildung in Österreich fallen. Die ÖVP möchte jedenfalls den Staatsanteil an der TA weiter reduzieren. Die Telecom Italia hält nach ihrem Teilrückzug aus Österreich Anfang November 2002 derzeit noch 14,8 Prozent an der TA, möchte ihre Anteile aber so rasch wie möglich vollständig abtreten. Laut Vereinbarung mit der TI kann die ÖIAG heuer zunächst 5 Prozent ihrer TA-Anteile und nach einem weiteren Rückzug der TI im selben Ausmaß wie die Italiener Anteile abgeben.

Einen gemeinsamen Eigentümer haben Swisscom und TA jedenfalls bereits jetzt schon. Laut "profil" hält die Capital Group Companies Los Angeles an beiden Unternehmen knapp mehr als 5 Prozent.

21.1.2003 12:46