Fälschungen überschwemmen italienischen Hauptstadt
- Straßenhändler verkaufen gefälschte Designer-Kleidung
- Behörden kämpfen gegen Hintermänner
Wer kennt sie nicht, die Lacoste-Hemden-Fälschungen, die viele Asien-Touristen von ihren Reisen mit nach Hause bringen. Wer in Italien auf Shopping-Tour geht, wird auch nicht enttäuscht: Ob Raubkopien von Videos, CDs und Computerspiele oder gefälschte Prada-Schuhe - auf den Straßen wird alles verkauft.
Selbst im vornehmen Viertel der Ewigen Stadt, in den Parioli, wo Menschen leben, die sich wahrlich das Prada-Original leisten könnten, finden die Verkäufer reichlich Abnehmer. Vor allem die CD-Raubkopien sind beliebt.
An der Piazza Navona, am Kolosseum, an der Piazza di Spagna, am Trevi-Brunnen stehen die fliegenden Händler mit ihren ausnahmslos gefälschten Waren. Viele der Verkäufer sind illegal nach Italien eingereist und haben keine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis. Sie werden zu hunderten von der Fälscher-Mafia angeworben, die in versteckten Zentralen Videos, CDs und Computerspiele herstellt, und sie dann an die Verkäufer verteilen.
Jackson ist seit einem Jahr ein Straßenverkäufer, ein vu cumpra, wie sie in Italien gerne abschätzend genannt werden. Vu cumpra heißt so viel wie "Willst du kaufen?" und nimmt die miserablen Italienischkenntnisse der Afrikaner auf die Schippe. Der 24-jährige Jackson kommt aus Senegal, spricht aber fließen Italienisch.
Speziell im Sommer sind Hunderte vu cumpras unterwegs, die unter der sengenden Hitze die Strände auf- und abspazieren, um ihre CDs, Hüte, Sonnenbrillen, Taschen, Schmuck und Handtücher zu verkaufen. "Mittlerweile arbeite ich nicht mehr am Strand", erzählt Jackson stolz. Ich verkaufe nur noch in der Stadt." Wo er wohnt, will er nicht verraten, auch nicht, wer sein Chef ist und woher er seine CDs bekommt.
Große Fische
"Der wahre Verkäufer der gefälschten Prada-Schuhe ist nicht der arme Senegalese um die Ecke", erklärt Giovanni Tallone, Generalsekretär der nationalen Straßenhändler-Vereinigung ANVA. "Hinter ihm steht eine kriminelle Organisation von hohem Niveau, die die Straße als Marktlücke nutzt." Weil die Verkäufer nur wenig Ware mit sich führen, schadet eine einzelne Verhaftung der Organisation nicht. Dennoch sind es die Verkäufer, die jeden Tag auf der Straße kämpfen müssen: gegen die Polizei und gegen wütende Geschäftsleute, die Angst um ihren Umsatz haben.
Proteste gegen Straßenhändler
In Venedig kam es diesen Sommer sogar zu Protesten seitens der Gondolieri, die die Straßenhändler für das Fernbleiben der Touristen verantwortlich gemacht haben. "Zu Protesten kam es in Rom noch nicht, aber die Geschäftsleute sehen nur einen Teil unserer Arbeit", erklärt Massimiliano Giua, Hauptmann der Zollbehörde in Rom. "Wir tun beides, wir kontrollieren die Straßen und operieren im Hintergrund, um die eigentlichen Kriminellen, die Großhändler, die Hersteller gefälschter Ware, dingfest zu machen." Die großen Fälscher-Fabriken seien vor allem in der Lombardei (Parfüm), in Venetien (Brillen), in der Toskana (Lederwaren) und in Kampanien (CDs, Kleider) zu finden.
Vor zwei Wochen wurde eine Fälscher-Organisation in Fiumincino bei Rom aufgespürt, mehr als 15.000 gefälschte Kleidungsstücke wurden konfisziert. "Kürzlich haben wir auch eine Raubkopie-Zentrale auffliegen lassen, wir haben dort über 20.000 Computerspiele und 4.000 Videokassetten gefunden", erklärt Giua.
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