"Dicke Luft" im Raucherparadies Japan
- Auch auf Nippon jetzt Initiativen gegen das Qualmen

Das asiatische Inselreich Japan gilt im Vergleich zu anderen Ländern noch als eine der letzten großen Raucherhochburgen dieser Erde. Mit 326 Milliarden verkauften Zigaretten liegt Japan nach Schätzungen der Zeitschrift "Tobacco Journal International" an dritter Stelle hinter China und den USA. Doch ganz allmählich scheint sich inzwischen auch unter den Japanern ein Wandel im Bewusstsein in Gang zu setzen.
Das Finanzministerium in Tokio erwägt, Tabakhersteller zu strikteren Warnungen auf den Zigarettenschachteln aufzufordern. Bisher heißt es auf japanischen Packungen nur unbestimmt, der Raucher möge "Acht geben, nicht zu viel zu rauchen", weil es die Gesundheit beeinträchtigen könne.
Im Gegensatz dazu gibt es in Europa, den USA oder auch manch anderen asiatischen Ländern seit einigen Jahren schon direkte Warnungen vor Lungenkrebs, Schäden für Schwangere und anderen Risiken auf der Packung.
Raucher ignorieren Packungsaufschrift
Das Finanzministerium will nun eine Arbeitsgruppe bilden, um die Auflagen für Tabakhersteller bezüglich der Warnhinweise zu überdenken. Ein Beratergremium hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Hinweise auf den Schachteln längst keinen Raucher mehr interessieren. Bestrebungen in der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Zigarettenwerbung und den Verkauf über Zigarettenautomaten zu verbieten, hat sich Japan allerdings nicht anschließen wollen.
Rauchverbot in öffentlichen Räumen
Immerhin wird in öffentlichen Räumen das Rauchen zunehmend verbannt. Die Bezirksverwaltung von Chiyoda, einem Stadtteil von Tokio, hatte im Herbst eine Verordnung erlassen, die das Rauchen auf offener Straße und das Fallenlassen von Kippen in ausgewiesenen Zonen untersagt.
Kleine Trupps von Stadtmitarbeitern patrouillieren seither durch die Straßen und drohen jedem Sünder mit 2.000 Yen (16 Euro) Strafe. Zwar ist die Verordnung nicht zwingend. Dennoch soll die Zahl der auf der Straße rauchenden Passanten bereits zurückgegangen sein.
Nach einer Erhebung des größten japanischen Tabakkonzerns Japan Tobacco (JT) sank der Anteil der Raucher unter Japans erwachsener Bevölkerung auf ein Allzeit-Tief von 30,9 Prozent im vergangenen Mai, ein Rückgang zum Vorjahr um 1,8 Prozent. Erstmals fiel zudem der Anteil der männlichen Raucher unter die 50 Prozent-Marke auf 49,1 Prozent und bei den Frauen auf 14 Prozent. Als Gründe werden die andauernde Wirtschaftskrise und das wachsende Gesundheitsbewusstsein angeführt.
Im Zuge einer geplanten Steuerreform soll die Tabaksteuer zum kommenden Juli um einen Yen angehoben werden - eine Schachtel Zigaretten kostet in Japan im Durchschnitt 250 Yen (rund zwei Euro).
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