"Wir sind nicht streikgeil", aber Dienst nach Vorschrift
- Betriebsratschef: Vorstand hat uns den Krieg erklärt
·Gefahr i d Luft
EU: Piloten sollen länger arbeiten
·AUA-Konflikt
Verstärkter Druck auf´s Flugpersonal
·Droht Streik?
AUA: 90% sind für Kampfmaßnahmen
Ohne größere Störungen ist die Betriebsversammlung der Piloten und Flugbegleiter der heimischen Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA/OS) im Jänner zu Ende gegangen. Die mehr als 500 Teilnehmer an der Betriebsversammlung am Flughafen Wien/Schwechat haben ein Aktionskomitee mit 150 freiwilligen Teilnehmern eingesetzt, das weitere Maßnahmen vorbereiten soll. Die 16 Mitglieder des Betriebsrats bilden zusammen mit Gewerkschaftsvertretern ein Streikkomitee.
Bilanz der "Betriebsstörung" zwischen 9 und 12.30 Uhr aus Sicht der AUA: Eine Rotation nach Ankara wurde storniert, 139 Personen haben Anschlussflüge versäumt, acht AUA-Flüge waren zwischen 25 Minuten und zweieinhalb Stunden verspätet, der Flug Wien-Düsseldorf wurde ersatzweise mit einer Crew der Lauda Air bestritten. Die AUA hat ihrer Belegschaft eine daraus resultierende Schadenssumme vorgerechnet.
"Nicht streikgeil"
"Wir sind nicht streikgeil", versicherte der Vorsitzende des AUA-Betriebsrats Bord (BRB), Rudolf Novak, nach der Sitzung im APA-Gespräch. Doch die AUA-Spitze habe der Belegschaft mit der Aufkündigung der Betriebsvereinbarung C-33 zu Jahresende "den Krieg erklärt". Eine Rücknahme der Streikdrohung, wie vom Vorstand verlangt, wäre daher "skurril", sagte Novak. Die Stimmung in der Belegschaft beschrieb er als "sehr heiß", die Leute seien "verärgert und zu allem bereit".
Einen Streik schloss Novak vorerst aus, aber "der Vorstand muss auf alles gefasst sein".
Mit konkreten Maßnahmen sei "ad hoc" zu rechnen, kündigte Novak an. So etwa könnte es jederzeit zu "Dienst nach Vorschrift" kommen, was freilich in der Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters liege. Damit könnte es zu Verspätungen und schlimmstenfalls auch zu Ausfällen kommen. Einen Zeitplan wollte Novak nicht nennen, um nicht auf "Überraschungseffekte" zu verzichten.
Billiglohn-Kräfte
Der strittige Punkt: Die Vereinbarung "C-33" garantierte dem fliegenden AUA-Personal - aktuell 482 Piloten und 1.340 Flugbegleitern - einen fixen Anteil von 43 Prozent der Einsatzzeit innerhalb der Austrian Airlines-Gruppe. Ihr Wegfall ermöglicht den Einsatz - deutlich günstigerer - Mitarbeiter der Tochtergesellschaften Tyrolean Airways und Lauda Air. Außerdem könnte das Unternehmen im Zug der EU-Erweiterung bereits ab Mitte 2004 nach Gründung einer Tochter in Osteuropa billigeres Personal beschäftigen.
Mahnende Beispiele
AUA-Bord-Betriebsrat Ulrich Sedlaczek befürchtet für die AUA-Piloten und -Flugbegleiter ein ähnliches Szenario wie bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS (Scandinavian Airlines System), wo der AUA-Vorstandschef Vagn Sörensen bis Sommer 2001 als Vize-CEO tätig war: Dort seien immer mehr Flüge und immer mehr Personal in Tochtergesellschaften ausgelagert worden, der Anteil der Mutter SAS an den Flügen sei deutlich geschrumpft, obwohl die Flüge unter SAS-Flugnummern durchgeführt würden.
Auch in der Austrian Airlines-Gruppe sei der Anteil der eigentlichen AUA-Aktivitäten gegenüber den Töchtern von früher 47 auf 43 Prozent gesunken. Ohne C-33 werde diese Quote weiter zurückgehen. Damit drohe a la longue Personalabbau, warnt Sedlaczek.
Keine wirtschaftlichen Argumente
Die Belegschaft zeigt sich kämpferisch. Wirtschaftliche Argumente für Billiglohn-Arbeiter - Stichwort: Luftfahrtkrise - lassen sie nicht gelten: "Intern haben wir den Turnaround schon geschafft!" Im Vorjahr sei das zweitbeste operative Ergebnis in der AUA-Geschichte eingefahren worden.
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