Sonntag, 26. Jänner 2003

GP von Österreich droht laut Ecclestone das Aus

  • Auch andere Rennen im EU-Raum bedroht
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Geht es nach Bernie Ecclestone, dann geht der Große Preis von Österreich wegen des vorverlegten Tabak-Werbeverbots im EU-Raum heuer zum letzten Mal in Szene. "Schuld ist euer Gesundheitsminister, weil er der Vorverlegung des Tabakwerbeverbots zugestimmt hat", sagte der 72-jährige Formel-1-Chef am Rande der Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel gegenüber einer österreichischen Tageszeitung. Setzt der Engländer diese Ankündigung in die Tat um, dann würden Michael Schumacher und Co. heuer am 18. Mai zum letzten Mal auf dem A1-Ring gastieren.

Laut Ecclestone ergeben sich für alle Teams "Probleme, weil sie Verträge mit Zigarettensponsoren bis 2006 abgeschlossen haben". Hannes Geist, der Geschäftsführer des A1-Rings, sieht nicht nur das GP-Rennen auf "seiner" Rennstrecke gefährdet, sondern auch andere im EU-Raum. "Das ist ein Signal an alle. Sie sollen sehen, dass man sich an Abmachungen halten soll", sagte der Niederösterreicher mit dem Hinweis darauf, dass ursprünglich vor Ende 2006 kein Tabakwerbeverbot kommen sollte.

Mateschitz sieht minimale Chance
Dietrich Mateschitz, der ja schon bald den A1-Ring übernehmen wird, gibt sich keinerlei Illusionen hin. "Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung endgültig ist", sagte er gegenüber der APA . "Die Fakten sowie die Tatsache neuer GP Strecken (China, Bahrain, Türkei, etc.) lassen die Chance auf eine Durchführung des Österreich GP bis 2006 minimal erscheinen", so der Red Bull-Chef, der laut eigenen Angaben nicht versucht hat, Ecclestone mit mehr Geld zu einem weiteren "Ja zu A" zu bewegen.

Auch andere Rennen bedroht
Er fürchtet wie Geist, dass eventuell auch andere GP-Rennen im EU-Raum vorzeitig gekippt werden könnten: "Das wird passieren, liegt jedoch ausschließlich im Entscheidungsbereich des Herrn Ecclestone", so Mateschitz. Auswirkungen auf die Übernahme des A1-Rings hat diese jüngste Entwicklung nicht: "Es war schon immer ein wesentlicher Teil unseres Konzeptes von der Durchführung eines F1-GP's unabhängig zu werden."

Zieht es Geist ins Ausland?
Ecclestone will von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen, womit die Rennen von 2004 bis 2006 auf dem A1-Ring ins Wasser fallen würden. "Es wäre extrem schade, wenn es dazu kommen sollte", sagte dazu Geist, er bisher laut eigenen Angaben noch nichts Offizielles in der Hand hat. Deshalb wollte er das drohende Out vorerst "nicht näher kommentieren." Zu Gerüchten, wonach er für den Fall einer Eliminierung des GP von Österreich bereits einen attraktiven Motorsport-Job im Ausland in Aussicht habe, stellte Geist nur fest: "Über ungelegte Eier redet man nicht."

Belgien schon gestrichen
Der GP von Belgien in Spa-Francorchamps wurde bereits für 2003 vom Internationalem Automobilverband (FIA) aus dem Kalender gestrichen, da in Belgien das Tabakwerbeverbot schon zur Jahresmitte in Kraft tritt. FIA-Präsident Max Mosley hatte in den vergangenen Monaten immer wieder damit gedroht, dass die Formel 1 nicht mehr auf europäischen Rennstrecken antritt, falls das Tabakwerbeverbot schon am 31. Juli 2005 gilt.

Tabakwerbeverbot ab Juli 2005
Die Mehrheit der EU-Gesundheitsminister hatten Anfang Dezember beschlossen, das Tabakwerbeverbot für den EU-Raum schon ab Juli 2005 einzuführen. Deutschland und Großbritannien sprachen sich dagegen aus. Im Oktober 2001 vergangenen Jahres hatte die FIA freiwillig für Ende 2006 ein weltweites Tabakwerbeverbot im Motorsport angekündigt und einen Monat später eine entsprechende Resolution mit der Weltgesundheitsorganisation WHO verfasst.

Zehn von 16 WM-Läufen in Europa
In diesem Jahr finden zehn der 16 WM-Läufe der Formel 1 auf europäischem Boden statt. Für das Jahr 2004 sollen Rennen in Schanghai und Bahrain in das Programm aufgenommen werden. Ab 2005 ist ein Rennen auch in Istanbul im Gespräch.

26.1.2003 21:38
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts