Mittwoch, 22. Jänner 2003

St. Moritz soll eine WM der "gehobenen Art" werden

  • Organisatoren: Kein "Massenauflauf" wie in St. Anton 2001
  • PLUS: ALLE INFOS ZUR ALPINEN SKI-WM 2003 IN ST. MORITZ

Der Countdown läuft, die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz rücken immer näher. Der Startschuss fällt am 1. Februar (Samstag) mit der Eröffnungsfeier. Tags darauf wird es dann wirklich ernst: Mit dem Super G der Herren beginnt die Jagd auf die Medaillen. Auf Österreichs Ski-Assen lastet in der Schweiz einiger Druck: Bei den vergangenen Titelkämpfen in St. Anton wurde insgesamt elf Mal Edelmetall eingefahren, drei Mal durfte über Gold gejubelt werden. Vom Rundherum her soll es im Gegensatz zum "Massenspektakel" am Arlberg im exklusiven St. Moritz "nobler" zugehen.

Mit den alpinen Ski-Weltmeisterschaften vom 1. bis 16. Februar will St. Moritz zurück ins Sportgeschäft. Zwei Jahre nach den Massenaufläufen von St. Anton wird man aber im schweizerischen Nobelkurort eine WM der gehobenen Art erleben. "Top of the world" soll dort künftig auch wieder für den Wintersport stehen. Die WM und eine Milliarde Franken (685 Mill. Euro) sollen es richten.

Hanspeter Danuser, seit einem Vierteljahrhundert Kurdirektor in St. Moritz, weiß, worauf es ankommt. Wenn vom Bündner Nobelkurort die Rede ist, verwendet er gerne und oft Superlative. Auch knapp vor dem ersten Rennen der WM im Oberengadin hat er eine klare Botschaft. "St. Moritz ist aufgerüstet und voll im Saft", sagt Danuser.

St. Moritz in "alter Frische"
Der "älteste Wintersportort der Welt" präsentiere sich in "alter Frische, jung und dynamisch". Und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche WM mit werbewirksamen TV-Bildern sind seiner Ansicht nach hervorragend: St. Moritz hat dieses Jahr viel Schnee und teilweise zugefrorene Seen.

Es scheint, dass die Rechnung aufgehen wird. Mit viel Geld und der Publizität einer Ski-WM will sich St. Moritz im Wintersport zurückmelden. Die WM ist der lukrative Werbeträger. Da hat man keine Kosten gescheut.

Investitionen von einer Milliarde Franken
Eine Milliarde Franken - so schätzt man - wurden direkt oder indirekt wegen der WM investiert. 350 Millionen Franken wurden "in den Berg gesteckt", 400 Millionen Franken gingen in den Bau von Zweitwohnungen, und mit 250 Millionen Franken wurden die Hotellerie und Gastronomie modernisiert. Das Paradebeispiel dazu heißt "Kempinski Grand Hotel des Bains".

Der Hotelkomplex in St. Moritz mit Bädern, Gesundheitszentrum, Residenzen und Casino kostete 100 Millionen Franken und wurde Mitte Dezember eröffnet. Für Danuser ist klar: Nicht zuletzt wegen der WM stehen wieder fünf Fünf-Sterne-Häuser im Ort.

Exklusive Weltmeisterschaft
Das Ziel der Touristiker ist eine Mischung aus Glamourwelt der Reichen und Schönen und einer Wintersportdestination für alle. "Der alpine Skisport ist unser eigentliches Kerngeschäft", sagt Danuser. Nun sei es an der Zeit, dieses wieder neu zu lancieren. Modernste Anlagen stehen dazu bereit. "Der eine Bügellift, den wir noch haben, hat nur musealen Zweck", so der Kurdirektor.

Dennoch: Eine WM für die Masse wird St. Moritz 2003 höchstens in den Medien. Die Organisatoren erwarten 1.800 Medienvertreter, aber "nur" gerade 10.000 Zuschauer pro Rennen. In St. Anton verfolgten über 40.000 Skifans ein Rennen.

Keine Veranstaltung für die Massen
"Das war wahnsinnig", sagt Hugo Wetzel, Präsident des WM-Organisationskomitees St. Moritz 2003, der sich noch gut an seine Eindrücke am Arlberg erinnern kann. Der Anlass sei "vermasst" gewesen, so Wetzel. Zurück im Hotel habe Danuser zu ihm gesagt: "Ich glaube, wir müssen die WM zurückgeben."

So viele Leute wären für Danuser ein "Albtraum". Anstatt auf Masse setzt St. Moritz auf eine "höhere Qualität" oder "Servicequalität". Der "Individualtourist" soll sehen: St. Moritz hat tolle Skirennen und dadurch nichts an seinem gediegenen und gemütlichen Ambiente eingebüßt.

Schleppender Kartenverkauf
Dieses Konzept bestätigen auch die Zahlen aus dem WM-Ticketverkauf. Von den 100.000 Billetts war knapp zwei Wochen vor dem beginn gerade 35.000 über den Ladentisch gegangen. Dennoch haben die Organisatoren bereits 5,6 Millionen der budgetierten 5,9 Millionen Franken aus dem Verkauf eingenommen.

"Die besseren und teuren Plätze sind besetzt", sagt Jürg Capol, zuständig für das WM-Marketing. Das Geschäft mit der breiten Masse beginnt erst. Pro Tag gehen nun 500 bis 1.000 Tickets weg. "Unser neues Ziel sind sieben Millionen Franken", erklärt Capol.

Eigentlich wenig, wenn man bedenkt, dass die WM mit allen Aufwendungen rund 80 Millionen Franken (54,8 Mill. Euro) und damit drei Mal so viel wie jene in St. Anton kostet. Aber laut Capol zahlt sich auch diese Investition aus: "Wir bringen den Skisport wieder ganz groß raus - nicht nur für St. Moritz, sondern für die ganze Schweiz."

22.1.2003 14:39