Montag, 20. Jänner 2003

Podoprigora siegte über 200 m Brust mit Europarekord

  • Zahrl in Stockholm im 200-m-Delfin-Finale
  • PLUS: Die Details zur Kurzbahn-EM

Vize-Europameister Maxim Podoprigora hat am Dienstag Historisches für den österreichischen Schwimmsport geleistet. Der 24-Jährige siegte beim Kurzbahn-Weltcup in Stockholm über 200 m Brust in der neuen Europarekordzeit von 2:07,46 Minuten. Es ist die erste europäische Bestleistung eines VÖS-Athleten in der Schwimm-Neuzeit. Podoprigora verbesserte seine österreichische Bestleistung um 0,33 Sek. und feierte in Schwedens Hauptstadt seinen zweiten Weltcup-Erfolg nach dem Sieg am 1. Dezember in Schanghai. Heute Vormittag hat sich Petra Zahrl als als Sechste der Vorläufe über 200 m Delfin für das Finale am Abend qualifiziert.

Für Podoprigora selbst bedeutet diese Superzeit seinen bisher wichtigsten Erfolg auf der Kurzbahn: "Das ist für mich noch wertvoller als mein Europameistertitel. Nur WM-Silber auf der Langbahn ist für mich wichtiger", jubelte er. "Ich habe mir das Rennen voll gut eingeteilt, versucht, mir durch Abschalten den Druck zu nehmen. Und ich glaube, ich habe noch Reserven. In Berlin bin ich vielleicht noch schneller", kündigte der Österreicher für das Wochenende einen weiteren Paukenschlag an.

Der nach Schweden mitgereiste Trainer Walter Bär berichtete von einer perfekten Vorstellung seines Schützlings: "Er ist es richtig angegangen, noch langsamer als in Paris. Damit ist ihm jetzt vielleicht der Knopf aufgegangen." Schon beim Frühstück hatte Podoprigora übrigens - obwohl im Scherz - so etwas wie eine Vorahnung, als er Bär fragte, ob dieser genug Geld eingesteckt habe. Hintergrund der Frage: Nur bei Weltrekorden zahlt der Weltverband die Kosten für die Dopingkontrolle, bei Europarekorden muss der Landesverband bzw. dessen Vertreter zahlen.

Podoprigora teilte sich das Rennen tatsächlich sensationell ein. Nach 50 m (+0,85 Sek.) und zur Halbzeit der Distanz (1,22) war der Wiener nur auf Rang fünf gelegen, dann gab er aber unwiderstehlich Gas. Nach drei Viertel der Strecke hatte sich "Podo" bereits auf Platz zwei vorgearbeitet (+0,40), auf den letzten beiden Längen hängte er schließlich auch Jim Piper ab und distanzierte den Australier um 0,55 Sek.

Europa-Rekord um 0,1 Sekunde unterboten
Seine bisherige Bestmarke hatte der Österreicher am 16. Dezember 2001 beim EM-Goldlauf in Antwerpen fixiert, nun unterbot er Europas bisherige Topzeit um 0,1 Sek. Diese hatte Stephan Perrot am 8. Dezember des Vorjahres bei den französischen Klubmeisterschaften in Antibes fixiert. Podoprigora schwamm sogar die weltweit beste Marke in dieser Kurzbahn-Saison und schob sich in der ewigen Bestenliste auf Rang fünf vor. Den Weltrekord hatte der US-Amerikaner Ed Moses am 26. Jänner des Vorjahres in Berlin mit 2:03,17 fixiert.

Podoprigora sorgte nicht für den ersten Europarekord eines Österreichers, davor waren bereits zwölf im Besitz von VÖS-Athleten. Doch nach heutigem Maßstab war nur einer von diesem Dutzend Ernst zu nehmen, Otto Wahle hielt ihn Anfang des 20. Jahrhunderts über 200 m Kraul in 3:08,4 Min. Auch alle anderen Europarekorde wurden rund um diese Jahrhundertwende aufgestellt. Dabei inkludiert sind aber auch Kuriositäten wie Leistungen über 402,25 m und 804,5 m Kraul, über die Meile oder im Hechttauchen.

Für das zweite Glanzlicht des Abends sorgte Superstar Ian Thorpe. Der Australier zog über 400 m Kraul eine beeindruckende Jagd auf den Weltrekord seines Landsmanns Grant Hackett ab, beim Anschlag fehlten ihm nur 5/100 Sek. auf die Egalisierung. Vom Publikum im Eriksdalbadet wurde auch der Sieg von Emma Igelström über 100 m Brust bejubelt, in 1:06,20 verpasste sie ihren eigenen Weltrekord von 1:05,38 aber doch klar. Für die Schwedin ist dieses Weltcup-Event das erklärte Saison-Highlight, im Dezember in Melbourne war sie aber schon 1:05,55 geschwommen.

Zahrl im 200-m-Delfin-Finale
Petra Zahrl hat sich am Mittwoch beim als Sechste der Vorläufe über 200 m Delfin für das Finale am Abend qualifiziert. Schnellste war die Japanerin Yano Yurie in 2:09,01 Minuten, Zahrl benötigte 2:14,06 Minuten.

Podo über 100 m Brust ausgeschieden
Maxim Podoprigora, der am Dienstag als Sieger über 200 m Brust mit 2:07,46 Minuten einen neuen Europarekord aufgestellt hatte, verpasste über 100 m Brust den Finaleinzug als 14. mit der Zeit von 1:01,65 Minuten klar. Lukas Ostermaier belegte über 50 m Rücken in 26,78 Sekunden Rang 15.

Ostermaier & Stoss im 200 m Rücken-Finale
Österreich ist in Stockholm im Endlauf über 200 m Rücken mit zwei Österreichern vertreten. Lukas Ostermaier schaffte in 1:59,05 Minuten mit der sechstschnellsten Vorlaufzeit den Aufstieg ins Finale, Sebastian Stoss war in 2:00,35 Minuten Achter. Der Vorlaufsieg ging an den Australier Ethan Rolff in 1:57,98 Minuten.

Herren - 200 m Brust, Finale

1. Maxim Podoprigora (AUT) 2:07,46 Min.
!!!Europarekord!!!
2. Jim Piper (AUS) 2:08,01
3. Jarno Pihlava (FIN) 2:09,87
4. Ian Edmond (GBR) 2:09,90
5. James Gibson (GBR) 2:11,59

Ewige Herren-Bestenliste 200 m Brust:
(Kurzbahn/jeweils nur Topzeit)

1. Ed Moses (USA) 2:03,17 Minuten
2. Jim Piper (AUS) 2:06,61
3. Morgan Knabe (CAN) 2:07,15
4. David Denniston (USA) 2:07,42
5. Maxim Podoprigora (AUT) 2:07,46 (Europarekord)
6. Kosuke Kitajima (JPN) 2:07,48
7. Stephan Perrot (FRA) 2:07,56
8. Roman Sloudnow (RUS) 2:07,59
9. Jarno Pihlava (FIN) 2:07,61
10. Ryan Mitchell (AUS) 2:07,66

20.1.2003 13:35