Explosionen vor französischer Botschaft in Abidjan
- Elfenbeinküste: Anti-französische Proteste spitzen sich zu
Nach der Einigung auf ein Friedensabkommen für die Elfenbeinküste ist es in der größten Stadt des westafrikanischen Staates zu schweren Unruhen gekommen. Mehrere tausend Menschen protestierten am Sonntag in Abidjan gegen die in Paris erzielte Einigung, die nach ihrer Ansicht den Rebellen im Norden und Westen des Landes zu weit entgegen kommt. Zentrum der Ausschreitungen war die Umgebung der französischen Botschaft in Abidjan. Dort kam es zu Explosionen, Rauch stieg auf.
Französische Soldaten setzten nach Angaben eines Militärsprechers Wasserwerfer und Tränengas ein, um die aufgebrachte Menge zurückzudrängen. In einem anderen Viertel von Abidjan belagerten Demonstranten eine französische Kaserne.
Die offenbar ebenfalls mit dem Abkommen unzufriedenen Sicherheitskräfte ließen es zu, dass die Anhänger der Regierung von Präsident Laurent Gbagbo massenhaft gegen das nächtliche Ausgehverbot verstießen. Von Paris aus rief Gbagbo die Bevölkerung zur Ruhe auf, in ihre Häuser zurückzukehren und eine Erklärung des Präsidenten abzuwarten.
Am Samstag ernannte Gbagbo einen neuen Regierungschef und unternahm so einen Schritt zur Umsetzung der am Vortag erzielten Friedensvereinbarung. Dem Friedensplan zufolge muss Gbagbo künftig einen Teil seiner Machtbefugnisse an den Ministerpräsidenten abtreten. Mit dem Amt betraut wurde Seydou Diarra, der bereits unter Gbagbos Vorgänger Robert Guei Ministerpräsident war. Für Empörung sorgte in Abidjan vor allem die Bestimmung, dass die Rebellen im Norden für die Besetzung des Innen- und Verteidigungsministeriums zuständig sein sollen.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan und der französische Staatspräsident Jacques Chirac riefen die Bürgerkriegsparteien zur Aussöhnung auf. Dem Friedensplan müssten konkrete Schritte aller Seiten folgen, mahnte Chirac zu Beginn eines Westafrikagipfels am Samstag in Paris. Annan sicherte den Konfliktparteien die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft zu.
Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste begann am 19. September vergangenen Jahres mit einem gescheiterten Putsch von Teilen der Armee gegen Gbagbo. Die Aufständischen verbündeten sich mit Rebellen in anderen Landesteilen, die eine andere ethnische Herkunft haben als die Bevölkerung im Süden und die sich von einem wachsenden Nationalismus ausgegrenzt sieht.
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