Samstag, 25. Jänner 2003

WEF startet Kontrollinitiative für Millenniumsziele

  • Verhalten optimistische Prognosen zu wirtschaftlicher Erholung

Zur Durchsetzung der Millenniumsziele der internationalen Staatengemeinschaft hat das Weltwirtschaftsforum in Davos eine Überprüfungsinitiative auf den Weg gebracht. Mehrere Expertengruppen aus aller Welt sollen die Fortschritte bei der Umsetzung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ziele des UNO-Millenniumsgipfels und anderer internationaler Vereinbarungen erfassen, wie das Weltwirtschaftsforum in Davos am Samstag in einer Presseerklärung mitteilte.

Die so genannte Global Governance Initiative soll dabei auch die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, der Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und der Wirtschaft auf den Prüfstand stellen, hieß es. In einem jährlichen Bericht sollen Fortschritte und Mängel aufgezeigt werden. Die erste Bestandsaufnahme soll beim nächsten Forum 2004 vorgelegt werden. "Das Projekt wird sich des Fachwissens in aller Welt bedienen, um die internationale Gemeinschaft an ihre Verpflichtungen zu erinnern", lautete die Erklärung weiter. Auf ihrem Millenniumsgipfel im Jahr 2000 verpflichteten sich rund 190 Staaten unter anderem darauf, die Armut auf der Welt bis 2015 zu halbieren.

Die Teilnehmer des 33. Weltwirtschaftsforums zeigten sich unterdessen verhalten optimistisch, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren wieder erhole. Der französische Finanzminister Francis Mer erklärte, Frankreich und andere europäische Länder seien sich der Veränderungen bewusst, die für künftiges Wachstum vorgenommen werden müssten. Der japanische Finanzminister Heizo Takenaka betonte ebenfalls die Notwendigkeit weiterer Reformen. Japan sei aber auf dem richtigen Kurs.

An der sechstägigen Konferenz in Davos nehmen rund 2.300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft teil. Am Samstag traf auch US-Außenminister Colin Powell in der Schweiz ein. Erwartet wurde ferner der neue brasilianische Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva, der bereits am Freitag auf der Gegenveranstaltung der Globalisierungsgegner - dem Weltsozialforum in Porto Alegre - die reichen Industriestaaten zu verstärkter Hilfe für die Dritte Welt aufgerufen hatte. Lula, der als Sohn von Kleinbauern für die Armen in seinem Land zum Hoffnungsträger geworden ist, kündigte an, er wolle seine Forderungen auch zu den Reichen und Mächtigen in Davos tragen.

Globalisierungsgegner protestierten unterdessen gegen die Kontrollen bei der Anreise nach Davos. Viele weigerten sich, in Fideris nahe Davos durch die dort eingerichtete Sicherheitsschleuse zu gehen. Zahlreiche Aktivisten protestierten lautstark, bezeichneten die Kontrollen als undemokratisch und forderten "freien Zugang nach Davos für unbescholtene Bürger".

Nach Verhandlungen mit den Behörden wurde schließlich ein Kompromiss gefunden: Die Sicherheitsschleusen in Fideris wurden aufgehoben, die Kontrollen sollten nun in den Zügen und Bussen durchgeführt werden.

25.1.2003 16:03