Samstag, 25. Jänner 2003

USA planen Groß-Angriff auf Irak im März

  • Beschwörende Appelle an beide Konflikt-Seiten
  • PLUS: Alle Informationen zum drohenden Irak-Krieg!

Während in den USA neue Kriegspläne gewälzt werden - nach neuesten Informationen soll ein allfälliger Krieg gegen den Irak im März vonstatten gehen -, kommen von allen seiten beschwörende Appelle an den Irak. Und auch an die USA: Man solle den Waffeninspektoren genügend Zeit geben. Die Schweiz bietet sich derweil als Standort für eine Konferenz "der letzten Chance" zwischen den USA und dem Irak an.

Vor dem mit Spannung erwarteten Bericht über den Stand der UNO-Waffenkontrollen im Irak am kommenden Montag haben führende Politiker aus aller Welt die Regierung in Bagdad nochmals eindringlich auf den Ernst der Lage hingewiesen. US-Außenminister Colin Powell erklärte am Samstag bei seiner Ankunft in Davos, wo er am Weltwirtschaftsforum teilnimmt, der Irak müsse sich an die UNO-Resolutionen halten, andernfalls werde deren Umsetzung mit Waffengewalt erzwungen. Er appellierte zugleich an die Staatengemeinschaft, sich nicht vor dieser Verantwortung zu drücken. Der Irak hat damit gedroht, sich im Kriegsfall "erbittert" und mit "allen Mitteln" zu verteidigen.

Die syrische Regierung hat dem Nachbarland Irak eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den Waffeninspektoren bescheinigt. "Der Irak kooperiert maximal mit den Abrüstungskontrolloren der Vereinten Nationen und hat den Experten alle Türen geöffnet", erklärte das Außenministerium in Damaskus am Samstag. Syrien ist derzeit das einzige arabische Mitglied des UNO-Sicherheitsrates, der am Montag den Zwischenbericht von Chefinspektor Hans Blix und IAEO-Chef Mohammed el Baradei zur Kenntnis nehmen soll.

Der deutsche Außenminister Fischer erklärte nach einer Unterredung mit seinem ägyptischen Kollegen Ahmed Maher und Präsident Hosni Mubarak, er sei von ganz entscheidender Bedeutung, dass Bagdad verstehe, wie ernst die Lage sei. Gefordert sei die volle Umsetzung der UNO-Resolution 1441 und der anderen Entschließungen des Sicherheitsrats.

Schweiz für "Treffen der letzten Chance"
Die Schweiz ist bereit, ein "Treffen der letzten Chance" zwischen den USA und dem Irak zu organisieren. Diesen Vorschlag hat Außenministerin Micheline Calmy-Rey ihrem US-amerikanischen Amtskollegen Colin Powell beim Weltwirtschaftsforum in Davos gemacht. Eine Antwort von Powell habe sie nicht erhalten, sagte Calmy-Rey am Samstag nach dem Gespräch vor der Presse. Das Treffen mit Powell dauerte mehr als eine halbe Stunde. Calmy-Rey legte dabei dem US-Außenminister die Position der Schweiz zu einem möglichen Militärschlag gegen den Irak dar.

Neue Kriegs-Pläne
Zum Auftakt eines Irak-Kriegs sieht ein Plan des US-Verteidigungsministeriums einem US-Fernsehbericht zufolge den Abschuss von 300 bis 400 Marschflugkörpern an einem Tag vor, mehr als während des gesamten Golfkriegs 1991 abgefeuert wurden. Der US-Fernsehsender CBS berichtete am Freitag unter Berufung auf Verteidigungskreise, der Kampfplan mit dem Titel "shock and awe" (etwa: Schockieren und Ehrfurcht einflößen) konzentriere sich auf die psychologische Zerstörung des Kampfwillens des Feindes, weniger auf die physische Zerstörung seiner Armee. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Groß-Angriff gleich zu Beginn
"Wenn das Pentagon bei seinem jetzigen Kriegsplan bleibt, werden die Luftwaffe und die Marine an einem Tag im März zwischen drei- und vierhundert Marschflugkörper auf Ziele im Irak abfeuern - mehr als in den gesamten 40 Tagen des ersten Golfkriegs gestartet wurden", heißt es in dem CBS-Bericht. "Für den zweiten Tag sieht der Plan den Start von weiteren drei- bis vierhundert Marschflugkörpern vor."

25.1.2003 11:22