Donnerstag, 23. Jänner 2003

Journalist Pasko aus russischer Haft entlassen

  • Wegen guter Führung auf Bewährung frei
  • Will für Freispruch kämpfen

Wegen guter Führung ist der russische Journalist Grigori Pasko, der über Umweltsünden der russischen Marine berichtet hatte, auf Bewährung aus der Haft entlassen worden. Ein Gericht in Ussurijsk im Osten Russlands gab am Donnerstag einem entsprechenden Antrag der Verteidigung statt, nachdem Pasko bereits zwei Drittel seiner Haftstrafe verbüßt hatte.

Pasko selbst erklärte nach seiner Freilassung, er werde um einen nachträglichen Freispruch kämpfen.

Er wolle eine vollständige Aufhebung des Urteils erreichen, sagte der Journalist der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Er habe vor fast allen Zivilgerichten gewonnen. "Doch sobald der Fall in die Hände der Militärjustiz gerät, erleben wir eine Verhöhnung von Gesetz und gesundem Menschenverstand", sagte Pasko nach seiner Freilassung.

Seine Frau Galina Morosowa erklärte während eines Besuchs in Berlin, Pasko habe dem Vorsitzenden der Militärgerichtsbarkeit beim Obersten Gerichtshof Russlands eine Disziplinarbeschwerde gegen seine Ankläger vorgelegt. Außerdem habe er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angerufen.

Unter Berufung auf einen Beamten des Justizministeriums berichtete Interfax weiter, die Staatsanwaltschaft habe geprüft, ob sie Protest gegen die Freilassung Paskos einlegen solle. Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow sei dann jedoch zu dem Schluss gelangt, dass ein solcher Schritt nicht angemessen sei.

Der Journalist hatte unter anderem berichtet, die russische Marine versenke radioaktiven Müll im Meer. Daraufhin wurde er im Dezember 2001 unter dem Vorwurf des Geheimnisverrats zu vier Jahren Haft verurteilt. Ein Militärgericht befand ihn für schuldig, 1997 unerlaubt an einem Treffen von Kommandanten der russischen Pazifikflotte teilgenommen und sich Notizen gemacht zu haben. Das Urteil war von Menschenrechtsorganisationen weltweit als Rückschlag für die Meinungsfreiheit in Russland verurteilt worden.

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" begrüßte die Freilassung Paskos, dem sie im Dezember 2002 ihren Menschenrechtspreis verliehen hatte. Der Vorstandssprecher der deutschen Sektion, Michael Rediske, merkte jedoch an: "Die Verurteilung Paskos war ein Versuch zur Einschüchterung aller kritischen Journalisten. Die vorzeitige Entlassung ändert auch nichts an der Tatsache, dass Pasko zu Unrecht verurteilt wurde und dieser Schuldspruch revidiert werden muss."

23.1.2003 16:35