Magie liegt dem Harry-Potter-Doppelgänger fern
Der niederländische Wahlsieger Jan Peter Balkenende (46), Chef der Christdemokraten (CDA) und Ministerpräsident in der jüngsten, kurzlebigen Regierungskoalition, erinnert viele an Harry Potter. Der Ex-Universitätsdozent mit der knabenhaften Figur, der Schülerfrisur und der runden Brille erinnert in seinem Aussehen tatsächlich an den omnipräsenten Zauberlehrling. Magie liege ihm aber fern, versichert Balkenende, spielt aber selbst gern auf sein Image an. Zugleich strahlt der Politiker mit seinem stets gebremsten Temperament unspektakuläre Solidität aus.
Balkenende hatte als Retter in parteiinterner Not noch kein Jahr lang die Führung der Christdemokraten inne, als er Mitte 2002 Chef einer Koalitionsregierung wurde. Sie zerbrach schnell als Folge eines hitzigen Machtstreits innerhalb der politisch unerfahrenen Partei des ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn (LPF). Das Scheitern seines ersten Kabinetts wurde Balkenende jedoch offenbar nicht angelastet. Der christlich-reformierte Politiker aus der ländlichen Provinz Seeland sieht sich jetzt vom Wähler bestätigt. Kritik von Politikern, dass er beim Regierungsbruch zu sehr auf Argumente gebaut und ein Machtwort gescheut habe, wurde vom Wähler allem Anschein nach nicht geteilt.
Seine politische Erfahrung hat Balkenende auf kommunaler Ebene gesammelt. 16 Jahre lang saß er für die CDA im Gemeinderat von Amstelveen, vier Jahre davon als Fraktionschef. 1998 wurde er finanzpolitischer Sprecher der Parlamentsfraktion. Vier Jahre später führte er seine Partei aus achtjähriger Oppositionspause wieder ins Zentrum der Macht. Für seine Anhänger stellt der ehemalige Dozent für christlich-soziales Denken über Wirtschaft und Gesellschaft an der Freie Universität Amsterdam die Verkörperung des christdemokratischen Ideals dar. Der Sohn eines Getreidehändlers ist verheiratet und hat eine Tochter.
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