Montag, 20. Jänner 2003

Italien: Flüchtlingstragödie vor der Küste

  • Vermutlich 29 tot, griechischer Schlepper fest genommen
  • 2.700 Euro für Reise in den Tod

Eine Flüchtlingstragödie vor den Küsten der süditalienischen Region Apulien könnte bis zu 29 Menschenleben gefordert haben. Dies berichtete die italienische Küstenwache. Am Sonntagabend hatte ein russisches Schiff ein treibendes Boot mit sechs Immigranten und sechs Leichen entdeckt. Ursprünglich sollen 35 Personen an Bord gewesen sein.

Die Russen brachten die Leute nach Santa Maria di Leuca. Die Überlebenden sind fünf Kurden mit irakischer Staatsbürgerschaft und ein Grieche, der von der italienischen Polizei am Montag als mutmaßlicher Schlepper festgenommen wurde. Ein weiteres Mitglied der Bande sei während der Überfahrt ertrunken.

Gestohlenes Boot
Das Boot, das angeblich am 14. Jänner in Griechenland gestohlen worden war, soll mit 35 Personen an Bord von Izmir in der Türkei abgefahren sein. Es war mehrere Tage unterwegs. Laut den Berichten der Flüchtlinge hätten die Immigranten einen ersten Schiffbruch vor der griechischen Küste erlitten, bei dem 15 Personen ums Leben gekommen seien.

Die 20 Überlebenden hätten die Reise nach Italien an Bord eines Bootes fortgesetzt, das griechische Komplizen einer türkischen Schlepperbande gestohlen hatten. Der Diebstahl der "Sakis" war den Behörden des Hafens von Preveza im Westen Griechenlands angezeigt worden.

2.700 Euro für Reise in den Tod
Die irakischen Flüchtlinge, die die Reise überlebten, sind 14 bis 20 Jahre alt. Sie sollen rund 2.700 Euro für die Reise gezahlt haben. Ihr Gesundheitszustand war Besorgnis erregend. Sie seien schwer unterkühlt und hätten Tage lang nichts gegessen, hieß es. Die italienische Justizbehörde ordnete die Obduktion der sechs Leichen an, die im Boot gefunden worden waren. Laut den Überlebenden seien die Männer erfroren.

20.1.2003 18:07