Krone-Erbe: Dichand jun. & Vize Kuhn bereits im Amt!
- Senior übergab Geschäfte an Sohn, WAZ akzeptierte M. Kuhn
- PLUS: Alles zum "Krone-Krieg"!

·Michael Kuhn
Der neue Vize- Chef im Portrait
·"Krone-Krieg"
24. Jänner: Friede bei Dichand & WAZ
·Leserbriefe
Die Krone-Leser hielten zu Dichand
·WAZ-Chef
"Krone soll öster- reichisch bleiben"
·Dichand jr.
'Krone-Job gegen jeden Widerstand...'
·Streit um Krone
Für Dichand geht es um zehn Mio. Euro
Das Krone-"Erbe" wurde rascher als erwartet neu geordnet: Michael Kuhn ist geschäftsführender Chefredakteur und somit Vize von Dichands Sohn Christoph. Seine Bestellung - und die von Dichand junior als Chef - sind bereits wirksam. Tagelang tobte heftiger Streit wegen der Nachfolge im rot-weiß-roten Zeitungs-Imperium. Am 24. Jänner einigten sich "Kronen Zeitung"-Chef Hans Dichand und Hälftepartner WAZ. Nachdrücklichen Applaus der "Krone"-Mitarbeiter erntete Dichand junior für sein Bekenntnis, es sei "ein schönes Gefühl, hier dazuzugehören".
Michael Kuhn (65) ist der neue geschäftsführende Chefredakteur. Mit seinem sofortigen Amtsantritt wurde auch Hans Dichands Sohn Christoph "mit sofortiger Wirkung" Chefredakteur der "Kronen Zeitung". Dies teilt die "Krone" in ihrer Dienstagsausgabe mit.
Kuhn war bisher stellvertretender Chefredakteur sowie Sport-Chef. Kuhn selbst war am Montag vorerst nicht zu erreichen. Hans Dichand wollte die Entscheidung der WAZ auf APA-Anfrage nicht kommentieren.
Kuhn sei der WAZ "von der Gruppe Dichand vorgeschlagen" worden, was die deutschen Partner akzeptiert hätten, so die "Krone". Er bleibe Chef des Sportressorts.
Auf die Ernennung eines geschäftsführenden Chefredakteurs hatten sich die "Krone"-Hälfteeigentümer Hans Dichand und WAZ-Gruppe erst vorige Woche geeinigt. Zuvor hatte rund eine Woche lang ein heftiger Streit um Dichands Nachfolge getobt. Herausgekommen war als Kompromiss, dass sein Sohn Christoph zwar Chefredakteur werden darf, ihm aber ein geschäftsführender Chefredakteur zur Seite gestellt wird. Als Frist für diese Personalentscheidungen wurde der 15. Februar festgesetzt.
Als "wesentlich für die Autorität des geschäftsführenden Chefredakteurs" bezeichnete die WAZ die Tatsache, "dass er gemeinsam mit dem künftigen Chefredakteur, Herrn Dr. Dichand, die Personalhoheit ausüben wird". Dieses "gemeinsame Recht" der neuen Chefredaktion mache diese "in besonderer Weise unabhängig von den Einflüssen Dritter".
Kuhn habe die WAZ-Geschäftsführung am Montag über seine Vorstellungen für die Gestaltung der "Kronen Zeitung" informiert. Hervorgehoben wurde in der Aussendung Kuhns "langjährige Berufserfahrung, die hervorragende journalistische Leistung, die persönliche Souveränität und Unabhängigkeit sowie die Durchsetzungskraft" des neuen Blattchefs. "Er ist in Österreich eine bekannte Persönlichkeit, die über sein journalistisches Wirken hinaus die notwendige Integrationskraft entfalten wird und glaubwürdig für eine unabhängige 'Kronen Zeitung' steht."
Streit Dichand - WAZ: Nur vorläufig Friede?
In der Nachfolge-Frage sieht Dichand den Zwist nun "vorläufig" beendet, insgesamt aber deutete er noch weiteres Konfliktpotenzial an. Die WAZ handle in Vertriebsfragen eigenmächtig, könne sich nicht mit dem "U-Express" anfreunden, und auch eine Expansion der "Krone" nach Vorarlberg und in die dortigen Nachbar-Regionen scheitere am Nein der deutschen Partner. "Dabei habe ich ihnen versichert: Wenn wir ein Stück nach Deutschland hineingehen, würden wir vor Essen stehen bleiben", so Dichand launig. Dass die "Krone" wirtschaftlich schlecht dastehe, wie von der WAZ ins Treffen geführt, wies er einmal mehr vehement zurück.
Applaus für Dichand-Sohn Christoph
Chefredakteur der "Krone" zu werden, sei "eine sehr große Herausforderung, denn die Fußstapfen, in die ich trete, sind ja nicht gerade klein", sagte Christoph Dichand. Über ihn selbst sei in der vergangenen Woche "viel berichtet worden - einiges davon ist sogar für mich neu". Der als medienscheu geltende Dichand junior deutete an, dass er künftig öffentlich präsenter werde: Sei es bis jetzt sehr "angenehm" gewesen, anonym zu bleiben, "scheint sich das jetzt zu ändern".
Hans Dichand betonte, dass er mit der erzielten Einigung - sein Sohn erhält einen geschäftsführenden Chefredakteur zur Seite gestellt - zufrieden sei. Dieses Modell habe es bereits gegeben, als Friedrich Dragon geschäftsführender Chefredakteur war "und es ist auch sehr gut gegangen". Er habe stets gewusst, dass die redaktionelle Leitung der "Krone" nicht allein bewerkstelligt werden könnte. "Das ist zuviel. Ich habe drei Schreibtische, und immer wenn einer voll ist mit unerledigten Sachen, wechsle ich zum nächsten." Der geschäftsführende Chefredakteur werde gemäß der Einigung auf fünf Jahre bestellt, Christoph Dichand hat einen unbefristeten Vertrag.
Dichand senior selbst bleibt als Hauptgeschäftsführer und Herausgeber im "Krone"-Geschäft "so lange es geht". Nachsatz: "Jeder ist ja endlich" - ein Seitenhieb auf den Sager von WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann, der helles Gelächter bei der zahlreich vertretenen Belegschaft erntete.
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