Weitere Preissenkungen bei Gas zu erwarten
- Erste 2.000 Gaskunden wechselten Lieferanten
- Einsparung pro Haushalt bis 60 Euro, in Graz 100 Euro
Österreichs Gaskunden dürfen sich auf weitere Preissenkungen freuen. Nach den ersten Ermäßigungen durch das Auftreten neuer Anbieter in dem seit 1. Oktober voll liberalisierten Gasmarkt sind für heuer und nächstes Jahr weitere Verbilligungen zu erwarten, sagte E-Control-Chef Walter Boltz am Donnerstag. Im Schnitt können sich Haushalte je nach Region und Verbrauch schon jetzt bis zu 60 Euro jährlich ersparen, vereinzelt seien schon bald 100 Euro erreicht. In Summe bezifferte Boltz das heurige Einsparpotenzial mit 180 Mio. Euro.
Mehr als 2.000 Kunden haben bereits ihren Gaslieferanten gewechselt, rund 70 Prozent davon aus Niederösterreich und 30 Prozent aus Wien bzw. zu 90 Prozent Haushalte und zu 10 Prozent Gewerbebetriebe mit im Schnitt fast drei Mal so hohem Verbrauch. Für Haushalte kann sich ein Wechsel ab einem Jahresverbrauch von 1.300 m3 im Jahr auszahlen, im Schnitt liegt er bei 1.500 m3. Solche Größen werden aber nur erreicht, wenn auch mit Gas geheizt wird. Die Industrie sei wegen der jeweils im Herbst endenden Gasjahre derzeit noch fast gänzlich bei ihren angestammten Lieferanten, da im September die neuen Tarife noch nicht festgestanden seien.
Belebter Wettbewerb
Belebt hat sich der Wettbewerb, da seit Jahresanfang zur MyElectric der Salzburg AG zwei weitere neue Anbieter - die Kärntner Kelag und die Erdgas Oberösterreich (OÖ. Ferngas) - hinzu gekommen sind. Spätestens Anfang April tritt die EStAG/Verbund-Tochter "Unsere Wasserkraft", die ehemalige RWW, auch mit Gas auf. In der Steiermark haben die Grazer Stadtwerke Anfang Jänner ihre Gaspreise spürbar gesenkt. Grazer Haushalte könnten damit schon bald die jährlich 100 Euro Einsparung erreichen, die Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) im Herbst für einen mehrjährigen Zeitraum als Zielgröße genannt hatte, so Boltz in einem Pressegespräch.
Tarifprüfungsverfahren
Weitere Verbilligungs-Schübe sind von den laufenden Tarifprüfungsverfahren zu erwarten. Bereits zum Marktöffnungs-Start konnte die E-Control die von den Netzbetreibern gewünschten Systemnutzungstarife von 520 auf 472 Mio. Euro drücken, also um 50 Mio. Euro. Bis Ende 2003, nach Abschluss aller laufenden Verfahren, geht Boltz mit weiteren Einsparungen von rund 15 Prozent auf 400 Mio. Euro aus, mittelfristig sollten bis zu 20 Prozent drinnen sein. Kurz vor Abschluss stehen Prüfungen der E-Control bei den Netzbereichen NÖ, Salzburg und Kärnten, die bei den übrigen 18 Netzbetreibern schon eingeleiteten Verfahren sollen bis Oktober abgeschlossen sein.
Noch nicht voll funktioniert der Gasmarkt in den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg. Nach Tirol steht noch eine direkte Verbindung mit Ostösterreich von der Salzburg AG zur Tigas, das "Ländle" wird derzeit überhaupt nur via Deutschland beliefert. Bis zur Direktverbindung könnte es laut Boltz noch ein bis eineinhalb Jahre dauern, und Vorarlberg kann darauf hoffen, dass es bald auch in Deutschland einen Energieregulator gibt und dann die Durchleitung für Dritte leichter möglich ist. Derzeit ist dies auf einem kurzen Leitungsstück, das nicht dem österreichischen Regime unterliegt, vom Goodwill der deutschen Ruhrgas abhängig.
Allerdings verweist auch AK-Energieexperte Ditmar Wenty auf den im Westen relativ geringen Gasverbrauch, während er in den großen östlichen Bundesländern jeweils 1 Mrd. m3 oder mehr beträgt. Die rund 1,2 Mio. Gaskunden bundesweit - 1 Mio. davon in Ostösterreich - verbrauchen etwa 7,5 Mrd. m3 im Jahr. Damit bringen sie es auf eine kumulierte Gasrechnung von etwa 1,6 Mrd. Euro. Der Strommarkt ist mit rund 5 Mrd. Euro etwa drei Mal so groß.
Tarifkalkulator im Web
Ein gemeinsam mit Arbeiter- und Wirtschaftskammer neben Strom nunmehr um Gas erweiterter Tarifkalkulator soll Preisvergleiche erleichtern.
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