Mittwoch, 22. Jänner 2003

Fischer-Deponie: Chemikalien werden abgepumpt

  • Bei Räumung auf großes Fasslager gestoßen

Bei den Räumungsarbeiten der ehemaligen Fischer-Deponie in Theresienfeld bei Wiener Neustadt sind in den vergangenen Tagen umfangreiche Fasslager gefunden worden. Soweit die stark angerosteten - rund 1.000 - Gebinde noch dicht sind, enthalten sie einen Chemikaliencocktail aus Lacken, Lösungsmitteln und anderen Kohlenwasserstoffverbindungen, teilte die Arbeitsgemeinschaft Räumung am Mittwoch mit.

Bei dem Lokalaugenschein wurde erläutert, dass die im Verlauf von drei Jahrzehnten leck gewordenen Fässer chlorierte Kohlenwasserstoffe freigesetzt haben, die das Grundwasser-Reservoir Mitterndorfer Senke belasteten. Seit Aufnahme des Vollbetriebs der Sperrbrunnenanlage ab dem Jahr 1990 sei eine weitere Kontaminierung nahezu auszuschließen. Die Sperrbrunnenanlage verhindere auch, dass durch die Räumungsarbeiten neuerlich Schadstoffe in den Grundwasserstrom ausgeschwemmt werden.

Die nun geborgenen Chemikalien werden unter Aufsicht von Chemikern und mit größter Vorsicht abgepumpt. Die thermische Entsorgung - aller Abfälle mit hohem Gefährdungspotenzial - erfolgt bei der EBS in Wien-Simmering. Nicht gefährliche Abfälle wie u.a. Hausmüll und Bauschub werden zu gesicherten Deponien gebracht.

Seit Beginn der eigentlichen Räumungsarbeiten am 22. August 2002 wurden aus der ursprünglichen Schottergrube 296.000 Tonnen Abfall geborgen. Davon waren 163 Tonnen gefährlicher Abfall, der in der Hauptsache in Form von Lösungsmitteln und Destillationsrückständen in Fässern sowie rund 4.000 Tonnen stark kontaminierter Bodenaushub vorgefunden wurde.

Dem Zeitplan nach wird die aus den Firmen Bilfinger + Berger, Strabag, Alpine-Mayreder und PORR-Umwelttechnik zusammengesetzte ARGE bis Jahresende über 900.000 Tonnen Abfall bergen und entsorgen. Die Kosten inklusive Rekultivierung der Abfalllagerstätte sind mit insgesamt 140 Mio. Euro veranschlagt. Bis dato wurden für Zivilingenieurleistungen, Abbau, Transport und Entsorgung rund 28 Mio. Euro aufgewendet.

Die 1972 auf etwa acht Hektar angelegte und 1988 geschlossene Deponie ist im Altlastenatlas mit der Prioritätsstufe 1 ausgewiesen. Es handelt sich um die Verfüllung einer Schottergrube ohne jegliche bauliche Abdichtung der Sohle gegenüber dem gut durchlässigen Untergrund. Zur Räumung merkte der ehemals - für Wasserrecht - zuständige NÖ FP-Landesrat Hans Jörg Schimanek an, er habe bereits 1994 auf "Gefahr im Verzug" erkannt und eine internationale Ausschreibung zur Sanierung veranlasst. Die Entscheidung sei aber damals auf Bundesebene aufgehoben worden, weshalb acht weitere Jahre verstrichen seien, in denen die Giftfässer weiter durchrosteten.

22.1.2003 13:11