Mittwoch, 22. Jänner 2003

US-Anwalt will drei österreichische Firmen klagen

  • Angeblich auf irakischer Liste über Chemiewaffenprogramm
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Im Namen von amerikanischen Golfkriegs-Veteranen will der US-Anwalt Gary Pitts eine Gruppe von Firmen klagen, die laut einem vom Irak der UNO übergebenen Bericht Lieferungen für das irakische Chemiewaffenprogramm geleistet haben sollen. Auch drei österreichische Unternehmen seien auf dieser Liste verzeichnet, erläuterte Pitts.

"GIG" habe im Jahr 1986 Ausrüstung für die Produktion von Chemiewaffen geliefert, ebenso in den Jahren 1985 bis 1988 die Firma "Neuberger Kunststoffindustrie GmbH". Die Firma "Hauke" habe von 1985 bis 1987 Pumpen für eine chemische Fabrik in den Irak exportiert.

Gegen Firmen in den USA bzw. mit wirtschaftlichen Kontakten zu den USA habe er bereits Klagen eingereicht. Kleinere Firmen ohne Kontakte zu den USA, wie die drei österreichischen Unternehmen, wolle er im EU-Raum klagen, vermutlich in Großbritannien. Dabei könnten auch erkrankte britische Golfkriegs-Veteranen als Kläger auftreten, so der Anwalt. Wann er die Klage gegen die Österreicher einreichen werde, stehe noch nicht fest, vorher wolle er jedenfalls mit den Unternehmen verhandeln.

Noch kein Kontakt mit Firmen
Mit den drei betroffenen österreichischen Firmen habe er bisher noch keinen Kontakt aufgenommen, sagte Pitts. Die offenbar gemeinten Unternehmen, die steirische Firma Neuberger Holz- und Kunststoffindustrie und die oberösterreichische Pumpen-Herstellerfirma Hauke hatten gegenüber der APA bestätigt noch nicht wegen einer möglichen Klage kontaktiert worden zu sein. In einer Reaktion zu einem vorherigen Bericht hatte die Firma GIG Apparate- und Anlagenbau GmbH gegenüber österreichischen Medien festgehalten: "Bei dem österreichischen Lieferanten GIG handelt es sich nicht um die Firma GIG Apparate- und Anlagenbau GmbH, sondern um das Ende 1995 in Konkurs gegangene Unternehmen GIG Ing. Grill & Grossmann in Attnang-Puchheim."

Bei der Beweisführung will Pitts darlegen, dass die betreffenden Firmen für die Gesundheitsschäden der Golfkriegs-Soldaten mitverantwortlich seien. Sie hätten dem Irak Ausrüstung für sein Chemiewaffenprogramm geliefert zu einer Zeit, zu der der aggressive Charakter des Regimes schon bekannt gewesen sei, erläuterte der Anwalt. Der irakische Diktator Saddam Hussein habe damals schon seine eigenen Leute getötet.

Pitts vertritt 3.000 US-Veteranen
Gary Pitts, Anwalt in Houston im US-Bundesstaat Texas vertritt nach eigenen Angaben 3.000 US-Veteranen, die im Golfkrieg 1991 gesundheitliche Schäden erlitten haben und diese auf den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen durch den Irak zurückführen. In den USA gibt es das Mittel der Sammelklage, bei der eine Gruppe von Geschädigten gemeinsam vertreten wird. Die Firmenliste war vom Irak verfasst und der UNO übergeben worden. Neben 19 deutschen Firmen, zehn britischen, vier Schweizer und zwei französischen Konzernen sind laut Medienberichten auch je drei Unternehmen aus den Niederlanden, Österreich und den USA genannt. Sie lieferten demnach Material, das angeblich seit 1980 für das irakische Chemiewaffenprogramm verwendet wurde.

22.1.2003 09:05