Japans Mobilfunkmarkt: 73 Millionen Handynutzer
- Technologie-Unterschiede dämpfen Wachstum - Chaos droht
Die Mobilfunkindustrie ist mit ihrem Vorhaben, mit der dritten Handygeneration (3G) einen weltweit einheitlichen Standard zu schaffen, gescheitert. Zwischen Amerika, Europa und Asien wurden und werden nun verschiedenste Mobilfunknetze aufgebaut, die nur teilweise miteinander kompatibel sind. Das handybegeisterte Japan, das als weltweit einziges Land bereits die dritte Mobilfunkgeneration anbietet, ist ein Musterbeispiel für das Chaos, das entsteht, wenn unterschiedlichste Handytechnologien angeboten werden.
Drei Mobilfunkbetreiber - der Marktführer NTT Docomo sowie KDDI und die Vodafone-Tochter J-Phone - sind mit der dritten Mobilfunkgeneration bereits am Markt - doch mit drei unterschiedlichen Technologien, die teilweise weder mit den bestehenden Netzen der zweiten Generation noch mit Netzen im Ausland kompatibel sind. Telefonieren oder Versenden von Textmeldungen wird in Japan bereits dann unmöglich, wenn der Kunde die noch dürftigen Netze der dritten Generation verlässt. Da es in Japan keine SIM-Karten gibt und die persönlichen Daten im Handy selbst gespeichert sind, können die japanischen Handys außerhalb Japans nur in Ausnahmefällen verwendet werden.
Foma: Die 3. Mobilfunkgeneration
Der japanische Mobilfunkmarktführer NTT Docomo ist im Oktober 2001 mit der dritten Mobilfunkgeneration unter dem Namen "Foma" gestartet, doch der Launch war bisher ein Flop. Von den 44,9 Mio. Mobilfunkkunden telefonieren bisher nur 153.000 über die neue Technologie, die Datenübertragungsraten bis zu 384 Kilobit erlaubt. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass Foma nicht mit der bestehenden zweiten Generation kompatibel ist. Außerdem haben die neuen Handys eine derart geringe Akkuleistung, dass das Handy bereits nach kurzem wieder aufgeladen werden muss.
Inkompatibilität
Ebensowenig kompatibel mit der zweiten Handygeneration ist das 3G-Netz von J-Phone, die im Dezember 2002 mit der dritten Generation unter dem Namen "Vodafone Global Standard Services" gestartet ist und bisher erst 1.200 3G-Kunden an Land gezogen hat. Allerdings ist das Netz mit dem europäischen 3G-Standard UMTS kompatibel, was J-Phone für europareisende Japaner interessant macht.
"Schnelles Netz zu günstigen Preisen"
Einen kleinen Erfolg mit der dritten Mobilfunkgeneration, die im April 2002 gelauncht wurde, hat hingegen der bereits profitabel wirtschaftende Marktzweite KDDI vorzuweisen. Von den 13,47 Mio. KDDI-Mobilfunkkunden nützen bereits knapp fünf Mio. das neue 3G-Netz, Der Erfolg liegt darin, dass das 3G-Netz mit dem der zweiten Generation kompatibel und ein Wechsel zwischen den beiden Netzen möglich ist. Außerdem biete KDDI den Kunden mit der dritten Generation "ein schnelles Netz zu günstigen Preisen", sagte KDDI-General Manager, Hideo Okinaka, vor österreichischen Journalisten. Allerdings erwartet KDDI in den kommenden Jahren eine Verflachung der Wachstumskurve: "Der Markt ist gesättigt, die Wachstumsraten werden unter 10 Prozent pro Jahr liegen", meinte Okinaka.
