Freitag, 17. Jänner 2003

AUA-Personal mit 90 Prozent für Kampfmaßnahmen

  • Die Wahlbeteiligung der Abstimmung lag bei 73 Prozent
  • Belegschaft fürchtet "Unterwanderung" durch billigeres Personal

"Mit uns ist nicht zu spaßen". Mit diesen Worten unterstrich AUA-Betriebsrätin Elfi Rosner die Entschlossenheit des AUA-Bordpersonals, dem Widerstand gegen neue Sparpläne des Managements Nachdruck zu verleihen. Knapp 2.000 Beschäftigte waren zur Urabstimmung gerufen worden. 90 Prozent votierten für einen Arbeitskampf, mit Streik als letztem Mittel. Die Wahlbeteiligung betrug 73 Prozent.

Das AUA-Management forderte am Freitag von der Belegschaft, die Streikdrohungen zurück zu nehmen und sprach von "überzogenen Tönen" in Richtung Betriebsstörung, die für das "Verhandlungsklima kontraproduktiv" wären.

Beide Seiten bekräftigten zugleich am Abend Kompromissbereitschaft. "Es liegt uns ferne, schädigend für das Unternehmen zu wirken", sagt AUA-Bord-Betriebsrätin Elfi Rosner. Denn "die AUA liegt uns am Herzen". Zum Beweis dafür will die Belegschaft auch Ideen sammeln, wie der Service am Kunden verbessert werden könnte. Die 90 Prozent Zustimmung bedeuteten freilich "eine Riesenstärkung des Betriebsrates", sagte Rosner.

Am kommenden Dienstag (21. Jänner) wird der Betriebsrat Bord die Belegschaft in einer Betriebsversammlung am Flughafen Wien über das Abstimmungsergebnis informieren und das weitere Vorgehen beraten. Der Betriebsrat will Arbeitsgruppen zur weiteren Koordination einsetzen, auch ein Streikkomitee soll gebildet werden.

Insgesamt waren 482 Piloten und 1.340 Flugbegleiter der AUA zur am 3. Jänner begonnenen Urabstimmung aufgerufen. Abgestimmt wurde über die Frage, ob der Betriebsrat ermächtigt werden solle, "alle notwendigen Maßnahmen" zum Erhalt von Arbeitsplätzen und zum Schutz von Unterwanderung einzuleiten. "Die Resolution ist so formuliert, dass sie auch der Vorstand unterschreiben würde", kommentierte AUA-Sprecher Johannes Davoras den zur Abstimmung vorgelegten Text. Ein Ergebnis von "weniger als nahezu 100 Prozent Zustimmung wäre blamabel für die Veranstalter".

Nach Aufkündigung einer Betriebsvereinbarung mit einer 43-Prozent- Beschäftigungsgarantie für AUA-Personal innerhalb der Luftfahrt-Gruppe forderten die fliegenden AUA-Mitarbeiter wie berichtet eine klare Aufteilung der Geschäftsfelder bei AUA, Lauda und Tyrolean in Form eines "Mantel-Kollektivvertrages", der über die drei bestehenden KV gestülpt werden soll. Andernfalls befürchten sie den Wegfall von Arbeitsplätzen und "Unterwanderung" durch billigeres Personal. Ein geplantes neues, deutlich abgespecktes Gehaltsschema für neu eintretende Piloten lehnen Cockpit- und Kabinenpersonal aber ab. Derzeit verdienen AUA-Piloten fast doppelt so viel wie ihre Kollegen bei Lauda und Tyrolean.

Trotz des "Säbelrasselns" waren zuletzt von der AUA-Belegschaftsvertretung moderatere Töne zu hören gewesen. Der größte AUA-Eigentümer, die staatliche ÖIAG, die 39,7 Prozent der AUA-Aktien hält, begrüßte die neuen Signale: "Es freut uns ganz besonders, dass der Betriebsrat festhält, dass das Wohl der AUA am allerwichtigsten ist. Damit ist ein Konsens erreicht", sagte ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger am Freitagabend zur APA. Ein Streik ist für sie damit unwahrscheinlicher geworden.

Kämpferisch zeigte sich dagegen die ARGE-ÖIAG-Betriebsräte, ein informeller Zusammenschluss der Betriebsratschefs jener Firmen, an denen die ÖIAG Beteiligungen hält. Deren Vorsitzender Helmut Oberchristl gratulierte dem AUA-Bord-Betriebsrat "zum ausgezeichneten Ergebnis der Urabstimmung" und kündigte Unterstützung im Arbeitskampf an. Oberchristl kritisierte, dass die AUA-Spitze "ständig Opfer von der Belegschaft" verlange. Die kolportierte Gesprächsbereitschaft mit dem AUA-Bord-Betriebsrat sei noch nicht in die Tat umgesetzt worden.

Die AUA-Aktie befand sich am Freitag im Sinkflug und verlor knapp 2 Prozent auf 6,91 Euro bei rund 24.000 gehandelten Stück.

17.1.2003 17:03