Bereits 120 Mitarbeiter gekündigt
- Konzentration auf Spieleentwicklung
- Nur mehr zwei statt elf Standorte - Rückzug aus Vertrieb
An unternehmenseigenen Maßnahmen sieht das in den letzten zwei Monaten ausgearbeitete Sanierungskonzept des steirischen Computerspieleentwicklers JoWooD die Konzentration auf den Kernbereich Spieleentwicklung, die Neuorientierung des Vertriebes in Richtung mehr Fremdvertrieb und die strukturelle Reorganistation der gesamten Unternehmensgruppe vor.
Die Anzahl der Töchter soll reduziert, die Zahl der Standorte von elf auf zwei (jeweils nur mehr einer in Deutschland und Österreich) verringert und die unternehmensinternen Abläufe vereinfacht werden. Damit verbunden ist auch ein massiver Personalabbau. Rund 120 der 280 Mitarbeiter sind bereits im Dezember gekündigt worden, sagte der neue Finanzchef Andreas Pistauer am Dienstag in Wien.
Wo sich die beiden JoWooD-Standorte befinden werden, wurde noch nicht entschieden. In Österreich sollen die Verwaltung, Entwicklung sowie Produktion und Marketing, in Deutschland im Frankfurter Raum die Distribution und Entwicklung angesiedelt sein.
Im Zuge der Konzentration auf die Kernfunktionen will sich JoWooD künftig nur mehr auf die Entwicklung und Produktion von Computerspielen der Kategorie A und B konzentrieren. C-Titel werden vollständig gestrichen. Kategorie A-Spiele zeichneten sich dabei durch hohe Preise, stabile Nachfrage und moderatem Wettbewerb aus, so Pistauer. Bei vielen Kategorie B- und C-Titel mussten 2002 Wertberichtigungen vorgenommen werden.
JoWooD wird sich auch verstärkt aus dem Vertrieb zurück ziehen. Laut Firmengründer Andreas Tobler hat die Vertriebstochter Dynamic Systems ihren Personalstand von 35 auf 19 verringert. Von Handelswaren soll auf Kommissionswaren umgestellt werden. Die Auslandstöchter werden verkauft, stattdessen sind Kooperationen geplant. Sonderverträge werden nicht mehr erneuert und die Einkaufspolitik verändert. "Die Margen müssen höher liegen", so Tobler.
JoWooD will in Zukunft Entwicklungspartnerschaften, so genannte "Royalty Agreements", und Lizenzgeschäfte forcieren. Die Vorteile liegen laut Pistauer dabei in den größeren Absatzmengen, dem Retourenrückgang und den fehlenden Marketingkosten. Dem steht als Nachteil ein niedrigerer Stückpreis gegenüber.
Als weitere strukturelle Schritte wird es eine zentrale Verwaltung an einem Standort geben. Geplant ist auch die Zusammenfassung und Zentralisierung von Marketing Produktmanager und Producer zu einer "Project Development"-Abteilung mit voller Ergebnis- und Entscheidungsverantwortung. Das Controlling soll ausgebaut werden.
Die angespannte Liquiditätssituation, die Unsicherheit am Markt sowie die laufenden Verhandlungen haben laut Pistauer Umsatz und Ergebnis im vierten Quartal vermindert. Details werde es erst im Februar geben. Für das Geschäftsjahr 2003 geht der neue Finanzchef trotz der Konzentration auf A- und B-Titel und den Veränderungen in der Vertriebsstruktur von einem Umsatzplus aus, wofür vor allem die gut angelaufenen Abschlüsse von Vertriebsvereinbarungen verantwortlich zeichnen sollen. Ein positives Betriebsergebnis (EBIT) wird angestrebt. Bei den geplanten 14 Spiele-Neuheiten 2003 soll es sich bei 12 um A-Titel handeln. 2002 haben sich vergleichsweise unter 30 Neuheiten nur 5 A-Titel befunden.
Wie berichtet hat JoWooD in den ersten drei Quartalen 2002 bei einem Umsatz von 30,2 Mio. Euro einen Nettoverlust von 30,4 Mio. Euro eingefahren. Laut Pistauer entfielen von den gesamten Verlustposten in Höhe von 39,2 Mio. Euro 9,7 Mio. Euro auf Firmenwertabschreibungen, 25,1 Mio. Euro auf Wertkorrekturen bei Basistechnologien, aktivierten Entwicklungen, Handelswaren, Forderungen und auf Rückstellungen für Retourwaren und Rechtsstreitigkeiten. Weitere 4,5 Mio. Euro gingen zu Lasten der Restrukturierung und enthalten Kosten und Aufwändungen für Vertragsauflösungen, Personalrückstellungen und Forderungsverzichte.
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