Airbus will Boeing in der Luftfahrtkrise davonfliegen
- 2003 "extrem schwieriges Jahr"
- Umsatz voraussichtlich wieder knapp unter 20 Mrd. Euro

Trotz der tiefen Luftfahrtkrise will Airbus in diesem Jahr die Nummer eins im zivilen Flugzeugbau werden und erstmals mehr Flugzeuge als Konkurrent Boeing bauen. "Es wird ein extrem schwieriges Jahr", befürchtet Airbus-Chef Noel Forgeard angesichts des Irak-Konflikts und schwacher Weltwirtschaft.
"Wir wollen in der Krise stabil bleiben und haben uns gut gerüstet", sagte er am Dienstag in Paris.
Für 2003 plant Airbus Auslieferungen von erneut rund 300 Flugzeugen. Die Beschäftigung soll bei 46.000 Mitarbeitern gehalten werden, davon 17.000 in Deutschland. Der Umsatz soll sich wiederum in der Größenordnung von knapp unter 20 Mrd. Euro bewegen, vorausgesetzt das Umfeld verschlechtert sich nicht dramatisch.
"Ein länger andauernder Irak-Krieg und ein weiterer Wirtschaftsabschwung könnte die Prognosen umwerfen", räumte Forgeard ein. Dann müsste Airbus wieder Kurzarbeit einführen und auch erstmals seit Jahren über einen Stellenabbau nachdenken, deutete er an. Airbus sei aber derzeit in einer guten Position. Der Auftragsbestand von 1.505 Flugzeuge sichere die Beschäftigung über 5 Jahre. Niemand könne jedoch voraussagen, ob die Airlines bei einem Militärschlag im Irak wie damals beim Golfkrieg keine Flugzeuge mehr abnehmen würden.
Im vergangenen Jahr gingen Absatz und Umsatz bei Airbus moderat zurück, der Auftragseingang sackte jedoch deutlich ab, wenngleich nicht so stark wie ursprünglich erwartet. Mit dem Ausbau der Flugzeugfamilie und einem umfassenden Sparprogramm habe Airbus im vergangenen Jahr aber seine Ziele voll erreicht, sagte Forgeard. Ausgeliefert wurden 303 Flugzeuge nach 325 im Vorjahr. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr von 20,5 auf rund 19,5 Mrd. Euro. Airbus will in diesem Jahr das Niveau halten, während Boeing mit einem Rückgang auf 275 bis 285 Maschinen rechnet.
Um die Marktführerschaft zu unterstreichen, will Airbus sogar erstmals den Trend setzen und prescht in der Krise mit einer Preiserhöhung um 2,5 Prozent vor. Airbus leiste schließlich den größten Beitrag zum Gewinn seines Mehrheitseigentümers EADS und habe diesen Anteil von etwa 90 bis 95 Prozent am Ergebnis vor Steuern und Zinsen von etwa 1,4 Mrd. Euro der EADS auch im vergangenen Jahr erbracht, erklärte Forgeard.
Beim Auftragseingang hat Airbus den Konkurrenten Boeing im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal in Folge überholt. Airbus erhielt Aufträge über 300 Flugzeuge im Wert von 24,3 Mrd. Dollar. Im Vorjahr waren es noch 375 Maschinen im Wert von 44,7 Mrd. Dollar. 67 Stornierungen meist von Fluggesellschaften, die mit hohen Verlusten kämpfen, reduzierten den Auftragseingang netto auf 233 Flugzeuge im Wert von 18,4 Mrd. Dollar, was einem Marktanteil von 57 Prozent entsprach. Dies wurde jedoch nur durch einen Großauftrag vom britischen Billiganbieter Easyjet über rund 120 Maschinen und 120 Optionen ermöglicht, der noch kurz vor Jahresschluss unter Dach und Fach gebracht werden konnte.
Auch der Jahresauftakt stimmt Airbus zuversichtlich. Punkten konnte Airbus gegenüber Boeing mit seinem neuen Flugzeuggiganten A380, für den inzwischen 103 Bestellungen vorliegen. Malaysian Airlines orderte erst vergangenen Woche für rund 1,5 Mrd. Dollar Katalogpreis sechs Flugzeuge des Jumbos, der 555 Passagiere befördern soll. Der Jungfernflug ist für 2004 vorgesehen, 2006 soll er in den Dienst gehen. Die Produktion des Flugzeugriesen läuft in diesem Jahr voll an. Airbus habe trotz der Branchenkrise im vergangenen Jahr 1 000 Entwicklungsingenieure eingestellt, davon 400 in Deutschland, berichtete Airbus-Vorstand Gustav Humbert.
Größere Aufträge erwartet Airbus für seine Flugzeugpalette der Mittel- und Langstreckenjets noch im Jänner von China Airlines, aus Vietnam und aus Russland von Aeroflot. Bis Ende Februar hofft Forgeard auch die Verhandlungen über die endgültige Bestellung des europäischen Militärtransporters A400M perfekt zu machen, nach früheren Angaben ein 18-Mrd.-Euro-Auftrag. Zuletzt hatte Deutschland zugesagt, 60 Maschinen abzunehmen nach ursprünglich verabredeten 73 Transportern.
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