Johannes Ditz bewirbt sich bei den ÖBB
- Ditz: Finanzvorstand unter Bedingungen interessant
- Mehr als 50 Bewerbungen
Der frühere ÖVP-Wirtschaftsminister und Ex-ÖIAG-Chef Johannes Ditz (51) könnte neuer ÖBB-Finanzvorstand werden. Wie die APA am Dienstag aus ÖBB-Kreisen erfahren hat, ist Ditz der prominenteste auf der mehr als 50 Namen umfassenden Bewerbungsliste. Die Bewerbungsfrist war am 6. Jänner ausgelaufen.
Dem Vernehmen nach kommen rund 15 Kandidaten - darunter auch Ditz - in die engere Auswahl. Die Entscheidung des ÖBB-Aufsichtsrates wird in der zweiten Februar-Hälfte erwartet.
Offiziell wollten die ÖBB eine Bewerbung des Ex-ÖIAG-Chefs am Dienstag nicht bestätigen. Ditz selbst meinte dazu gegenüber der APA: "Unter bestimmten Bedingungen ist das sicher eine interessante Aufgabe." Die Frage der künftigen ÖBB-Organisation sei aber noch offen. Ohne die neue Struktur des Unternehmens zu kennen, wolle er das Amt nicht übernehmen, so Ditz.
Mit der Besetzung der Position des CFO (Chief Financial Officer) soll der ÖBB-Vorstand wieder auf vier Mitglieder ausgedehnt werden. In der Ära des früheren Generaldirektors Helmut Draxler hatte die ÖBB-Führung noch aus fünf Männern bestanden. Unter der schwarz-blauen Regierung wurden die Vorstandsposten auf drei dezimiert. Jetzt kommt wieder eine neue Spitzenposition hinzu. ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Wald hatte sich in der Vergangenheit mehrmals gegen eine Aufstockung des Vorstandes ausgesprochen.
Ditz ist heute Lektor am Institut für Politikwissenschaften der Universität Innsbruck. Das Thema seines Kurses: "Öffentliche Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Politik und Markt".
Der VP-Politiker und Manager trat in der SPÖ-ÖVP-Koalition unter Franz Vranitzky (S) als Finanzstaatssekretär (1987 bis 1988) erstmals in die Regierung ein. Nach einem abrupten Abschied wegen Differenzen mit ÖVP-Obmann Alois Mock kam Ditz im Oktober 1991 wieder in das Vranitzky-Kabinett. Im Mai 1995 holte ihn ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel als Wirtschaftsminister. Als der proklamierte "Schüssel-Ditz-Kurs" bei der Nationalratswahl im Dezember 1995 keinen Anklang fand, galt die Chemie mit dem ÖVP-Chef (und heutigen Bundeskanzler) als gestört, und Ditz nahm im Juni 1996 überraschend seinen Abschied.
Im August desselben Jahres startete Ditz seine Wirtschaftskarriere als Finanzvorstand der Post & Telekom Austria, um im September 1999 als neuer Vorstand im Duo mit Rudolf Streicher (SPÖ) in die ÖIAG zu wechseln. Als Ditz im November 2000 gegen den Widerstand von Telekom-Chef Sundt den glücklosen Börsegang der Telekom-"Volksaktie" durchzog, war auch die Chemie mit Sundt gestört, der erst kurz zuvor in das Unternehmen geholt worden war. Im Herbst 2001 musste schließlich Ditz widerwillig den Posten des ÖIAG-Vorstandssprechers räumen, nachdem kurz nach dem Antritt der VP-FP-"Wenderegierung" auch bereits Streicher die Staatsholding frühzeitig verlassen musste.
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