Freitag, 17. Jänner 2003

Bernie Ecclestone: "Formel 1 viel zu demokratisch"

  • Todt: "Vorschläge gehen in die richtige Richtung"
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Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat das Kräfteverhältnis in der Motorsport-Königsklasse kritisiert. "Das Problem der Formel 1 ist, dass sie schon viel zu demokratisch ist. Man kann schon heute die Regeln nicht verändern, ohne dass jeder damit einverstanden ist. Das ist idiotisch", sagte Ecclestone der "Wirtschaftswoche". In der Formel 1 brauche man jemanden, der sagt: "So machen wir es."

"Wenn man ins Detail schaut, sieht man, dass die Vorschläge in die richtige Richtung
gehen", sagte Ferrari-Teamchef Jean Todt am Freitag. "Entscheidend ist, ab wann die Regeln gelten. Sie müssen im richtigen Moment in Kraft treten. Trotz der Revolution will Ferrari mit Michael Schumacher an der Spitze erneut den Fahrer- und Konstrukteurstitel holen. "Es gibt keinen Grund, warum wir unseren Siegeszug nicht fortsetzen können sollten", sagte Todt beim traditionellen Ferrari-Pressemeeting im
italienischen Nobel-Skiort Madonna di Campiglio. "Wir wollen unsere Vormachtstellung verteidigen."

Saisonstart mit altem Auto
Natürlich treffe Ferrari auf eine starke und motivierte Konkurrenz mit den gleichen Zielen. Der neue Rennwagen F2003 wird am 7. Februar am Firmensitz in Maranello vorgestellt. Beim Saisonstart am 9. März in Melbourne treten Schumacher und Rubens Barrichello allerdings wie im Vorjahr mit dem alten Auto an.

Kompromisslösung gesucht
Im neuen Machtkampf mit dem Motorsport-Dachverband setzt Todt auf eine Kompromisslösung an Stelle knallharter Konfrontation. Der gewiefte Taktiker geht davon aus, im Einklang mit anderen Teamchefs wichtige Modifikationen erreichen zu können. Die technische Arbeitsgruppe der Formel 1, in der die führenden Ingenieure der Rennställe vertreten sind, beschäftigt sich bereits mit dem neunseitigen FIA-Verdikt.

"Für Stallregie brauche ich kein Radio"
"Vielleicht hatten wir etwas zu viel an Elektronik. Der bi-direktionale Funk kann sofort eingestellt werden", stimmte Todt dem weitgehenden Verbot der Telemetrie zu. "Wir können aber beim ersten Grand Prix nicht ohne Traktionskontrolle oder Startautomatik antreten." Den Boxenfunk mit dem Fahrer bezeichnete er als wichtig und kostenneutral. "Für Stallregie brauche ich kein Radio", entkräftete Todt das entsprechende FIA-Argument.

Schumis Gehalt bleibt
Prinzipiell unterstützte der Ferrari-Teamchef die FIA-Philosophie, durch die Radikalreform sparen zu wollen. "Wir müssen die Kosten senken." Trotz des Drucks, angesichts der Finanzkrise Kosten zu reduzieren, braucht Großverdiener Schumacher nicht zu fürchten, auch er könnte zu einem Obolus gezwungen werden. "Ferrari ist eine seriöse Firma. Wir halten unsere Verträge ein", sagte Todt und verneinte die Frage, ob es dem jährlich schätzungsweise 35 Millionen Dollar verdienenden fünfmaligen Weltmeister an den Geldbeutel gehen könnte.

17.1.2003 16:01
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts