Samstag, 18. Jänner 2003

Rocca und Sasaki als Farbtupfer im Wengen-Slalom

  • Pranger als Achter als einziger ÖSV-Läufer in den Top Ten
  • Die BILDER: Maiers 2. Abfahrt nach dem Comeback!

Der Slalom-Klassiker in Wengen hat am Sonntag einige internationale Farbtupfer und eine Niederlage für die Österreicher gebracht. Giorgio Rocca feierte auf dem Lauberhorn seinen ersten Weltcup-Erfolg, der Premierensieg des 27-jährigen Italieners wurde aber noch vom sensationellen zweiten Platz des Japaners Akira Sasaki in den Schatten gestellt. Der kroatische Slalom-Dominator Ivica Kostelic war als Dritter die einzige Fixgröße auf dem Podest. Die ÖSV-Truppe brachte mit Manfred Pranger als Achtem nur einen Läufer unter die Top Ten.

Sieger der traditionellen Wengen-Kombination wurde wie im Vorjahr der Norweger Kjetil-Andre Aamodt, der 31-Jährige aus Oslo verwies in einem spannenden Duell Bode Miller (USA) auf den zweiten Platz. Miller durfte sich mit der neuerlichen Übernahme der Spitzenposition im Gesamt-Weltcup trösten. Österreicher durfte in diesen Kombi-Zweikampf keiner eingreifen, da nach dem Sturz von Michael Walchhofer in der Freitag-Abfahrt kein ÖSV-Fahrer am Start war.

Japanischer Zauberer
Auf einer bereits schwer gezeichneten Piste zauberte der Japaner Sasaki im ersten Lauf mit Startnummer 65 eine Top-Leistung in den Schnee und führte als Siebenter eine Reihe von "Nobodys" im 30er-Finale an. Insgesamt neun Läufer waren im zweiten Durchgang mit einer Startnummer jenseits von 40 vertreten. Im Entscheidungslauf war der 21-jährige Sasaki dann eine Klasse für sich, stellte überlegene Laufbestzeit auf (0,53 vor Rocca) und schrammte nur vier Hundertstel am ersten japanischen Sieg der Weltcup-Geschichte vorbei. Es wäre übrigens "Startnummern-Weltrekord" im Slalom gewesen, denn Kostelic hatte am 25. November 2001 in Aspen mit der 64 triumphiert.

Dolmetscher gefragt
Schwierig gestaltete sich im Anschluss an das Rennen die Frage "Wer ist Sasaki?", denn der Mann aus Tokio spricht weder Englisch noch eine andere europäische Sprache. Von den österreichischen Slalom-Fahrern kannte den während der Saison mit einigen Teamkollegen teilweise in Innsbruck wohnhaften Japaner vor Sonntag lediglich Kilian Albrecht, der mit Sasaki im Rahmen von einigen Europacup-Bewerben aufeinander getroffen ist.

Erste Weltcup-Punkte
Für Sasaki, vor Wengen nur die Nummer 93 der Slalom-Weltrangliste, war die Platzierung nicht nur ein Senkrechtstart, sondern auch eine Premiere. Denn der Japaner hatte zuvor noch keinen einzigen Weltcup-Punkt auf dem Konto gehabt. Für Salomon-Rennsportchef Günther Mader kam die Sensation durch seinen Schützling gar nicht so unerwartet. "Der hat schon im Europacup gezeigt, dass er es kann. Sein zweiter Lauf heute war sensationell", freute sich der frühere ÖSV-Spitzenläufer, der die allgemeine Stimmung auf den Punkt brachte: "Ein Mann wie er ist genau das, was der Weltcup braucht."

Österreicher als Nebendarsteller
Nur Nebendarsteller waren diesmal die Österreicher. "Ich wollte unbedingt aufs Podest. Im zweiten Lauf hab' ich voll attackiert, ich bin aber nie in den Rhythmus gekommen", ärgerte sich Pranger. Positivste Erscheinung war noch Heinz Schilchegger, der sich im zweiten Lauf vom 24. auf den 13. Rang verbesserte. "Endlich ist mir ein super Lauf gelungen", freute sich der 29-Jährige, der im Rahmen der kommenden beiden Slaloms in Kitzbühel und Schladming das WM-Ticket lösen möchte.

Raich disqualifiziert
Benjamin Raich, ursprünglich auf Rang 13 in der Wertung geführt, wurde wegen eines Torfehlers nachträglich disqualifiziert, Weltmeister Mario Matt schied im zweiten Durchgang aus und Österreichs Nummer eins Rainer Schönfelder wurde von Rückenschmerzen geplagt 14. "Es gab schon bessere Wengen-Ergebnisse für uns, wir werden das ganze aber in Ruhe analysieren", meinte ÖSV-Technik-Trainer Gert Ehn.

18.1.2003 17:17