Samstag, 18. Jänner 2003

Kernen beendete in Wengen Schweizer Durststrecke

  • Walchhofer und Eberharter auf dem Podest
  • Die BILDER: Maiers 2. Abfahrt nach dem Comeback!

Die Schweiz hatte in Wengen endlich wieder einmal Grund zum Jubeln. Bruno Kernen sorgte in der zweiten Abfahrt auf dem Lauberhorn für den ersten Heimsieg seit William Besse 1994 und wies dabei die wie immer mannschaftlich starken Österreicher in die Schranken. Michael Walchhofer und Freitag-Sieger Stephan Eberharter landeten als Zweiter und Dritter auf dem Podest. Für die große positive Überraschung sorgte aber Hermann Maier, der in Rennen drei nach seinem schweren Motorradunfall auf Platz sieben landete.

Für Eberharter war der dritte Rang eine Premiere. Bisher hatte der Tiroler in dieser Saison jede Abfahrt für sich entschieden, bei der er ins Ziel kam. Den fünf Siegen in Lake Louise, Beaver Creek, Val d'Isere, Bormio und Wengen stehen nun ein Ausfall in Bormio, das Fehlen in Gröden sowie der dritte Rang in Wengen gegenüber. "Ich bin ein Mensch und keine Maschine. Und Menschen machen eben Fehler", sah es Eberharter locker. Der Abfahrts-Weltcup dürfte dem Zillertaler wohl ohnehin nicht mehr zu nehmen sein, denn der Vorsprung auf Walchhofer beträgt 163 Punkte.

Zweiten Platz abonniert
Walchhofer scheint in dieser Saison den zweiten Platz abonniert zu haben, der Salzburger landete bereits zum vierten Mal nach Beaver Creek, Gröden und Bormio auf dieser Position. Die Freude beim 27-Jährigen war dennoch riesig, vor allem nachdem ihn das Lauberhorn am Vortag abgeworfen hatte. "Heute habe ich gesehen, dass ich ein reifer Abfahrer bin, deswegen war ich ich über einen zweiten Platz noch nie so glücklich." Der fünftplatzierte Schifferer fuhr zwar in Richtung WM-Team, war jedoch nicht ganz glücklich mit seiner Darbietung: "Irgendwie hat mir der letzte Biss gefehlt."

Lange Gesichter
Die Reihe der wirklich Unzufriedenen umfasste Trinkl, Werner Franz (beide Head), Peter Rzehak und Fritz Strobl (beide Salomon), die auch mit teilweise ausgezeichneten Fahrten nicht ganz nach vorne kamen. "Es werden wieder Strecken kommen, die uns besser liegen", ist Olympiasieger Strobl sicher, dass sich das Blatt wenden wird.

Jubel bei den Schweizern
Für die Schweizer ging nicht nur eine lange Wengen-Durststrecke, sondern auch eine unglaublich lange Abfahrts-Ebbe zu Ende. Denn die Eidgenossen, die unter Karl Frehsner rechtzeitig vor der Heim-WM in St. Moritz ein starkes Lebenszeichen von sich gaben, hatten seit Kitzbühel 1998 (Didier Cuche) keinen Sieg mehr in der Königsdisziplin eingefahren. Logischerweise musste auch der zu Freudentränen gerührte Kernen ("Ich bin überwältigt") lange auf seinen dritten Weltcup-Erfolg warten, den größten Triumph seiner Karriere hatte der 30-Jährige 1997 mit dem Weltmeister-Titel in der Abfahrt gefeiert.

18.1.2003 15:37