Mittwoch, 15. Jänner 2003

Ivica Kostelic entschuldigt sich für Nazi-Aussagen

  • Skistar übt Kritik an kroatischer Zeitschrift
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Zwei Tage nach einem in der kroatischen Wochenzeitschrift "Nacional" (Dienstag-Ausgabe) veröffentlichten Artikel, in dem er das Nazi-Regime verherrlicht hatte, meldete sich Ivica Kostelic mit einer ersten Reaktion zu Wort. Der Slalom-Weltcup-Gewinner des vorigen Winters entschuldigte sich am Donnerstag für seine teilweise glorifizierenden Aussagen über den Nazismus. "Wenn ich jemanden verletzt haben sollen, dann tut es mir leid. Das wollte ich nicht", sagte der Alpinskistar.

Kostelic hat den Vorwurf der Verherrlichung des Nationalsozialismus zurückgewiesen. "Ich bin kein Nazi, noch war ich es je", sagte der 23-Jährige am Donnerstagabend in Zagreb. Er sei erzogen worden, Extremismus und Intoleranz zu verurteilen. Zuvor war der Druck auf Kostelic gewachsen. Die Österreichische Bank Hypo Alpe Adria hatte als Sponsor des kroatischen Skiteams vom Führenden im Slalom-Weltcup ein klärendes Gespräch und eine Stellungnahme verlangt.

"Bereit wie ein deutscher Soldat 1941"
Das Zagreber Wochenmagazin "Nacional" hatte Kostelic in seiner jüngsten Ausgabe rechtsradikale Äußerungen angelastet. So soll der Bruder der dreifachen Olympiasiegerin Janica Kostelic seinen Sieg im Weltcup-Slalom von Kranjska Gora Anfang Jänner damit erklärt haben, "bereit zu sein, wie ein deutscher Soldat am 22. Juni 1941" (dem Tag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion). Schon vor Monaten soll der sechsfache Weltcupsieger den Nationalsozialismus unter anderem als "gesundes System" bezeichnet und seine Faszination für den deutschen Militarismus und das Nazi-Regime geäußert haben.

"Aus Zusammenhang gerissen"
"Die von Nacional veröffentlichen Sätze wurden aus dem Zusammenhang gerissen", sagte Kostelic am Donnerstag. Das Magazin beziehe sich zudem auf eine informelle Konversation, die nach Abschluss des Interviews geführt worden sei. Zu dem Satz, der sich auf den deutschen Angriff 1941 bezieht, erklärte er: "Es tut mir leid, wenn ich jemanden beleidigt habe. Ich muss unter dem Einfluss eines zuvor gesehenen Kriegsfilms gestanden haben."

Vater Ante schweigt
Kostelics Vater und Trainer Ante wollte sich am Donnerstag am Rande des Damen-Weltcups in Cortina d'Ampezzo nicht zu den Vorwürfen äußern. Auch Schwester Janica lehnte jeden Kommentar ab. Das kroatische Ski-Team kündigte aber eine schriftliche Erklärung an. Ein Sprecher von Kostelic, Ozren Miler, hatte die Äußerungen bestritten.

Kostelic gilt in Kroatien als Hitzkopf, der häufig mit umstrittenen Äußerungen für Schlagzeilen sorgt. Anfang des Jahres hatte er mit der Forderung nach einer Steuerbefreiung für seine Familie Unmut erregt. Beim Weltcup-Slalom in Wengen am Sonntag bestreitet er sein nächstes Rennen. Die letzten drei Slalom-Wettbewerbe hatte Kostelic für sich entschieden.

15.1.2003 11:07