Donnerstag, 16. Jänner 2003

Schweizer Keller sicherte sich WM-Titel in Halfpipe

  • Florian Mausser bereits in Qualifikation gescheitert
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Im Halfpipe-Finale der Herren ging am Freitagabend der Titel völlig überraschend an den Schweizer Markus Keller. Der 20-Jährige kürte sich trotz eines Kreuzbandrisses im Knie mit 45,3 Punkten im sechsten Bewerb bei der fünften FIS-Snowboard-WM auf dem Kreischberg zum Champion in der Pipe, Silber holte nach einer umstrittenen Entscheidung der Schwede Stefan Karlsson (seine 43,6 Punkte schienen überbewertet), Bronze ging an den US-Amerikaner Steven Fisher (43,3). Österreich war bei der Entscheidung der Top Zwölf nicht vertreten, da der einzige ÖSV-Starter Florian Mausser in der Qualifikation gescheitert war.

Ähnlich wie die Tirolerin Nici Pederzolli, die am Donnerstag bei den Damen mit einem Kreuzbandriss Silber gewonnen hatte, ließ sich der neue Weltmeister nichts von seiner Verletzung anmerken. Schon nach dem ersten Final-Run, der in eine Sturz-Orgie ausgeartet war, hatte er mit 36,5 Punkten geführt. Im zweiten Lauf kam er mit einem tollen Programm auf 45,3 Punkte und damit zum zweiten WM-Gold für die Schweiz bei den Titelkämpfen in der Steiermark nach Ursula Bruhin im Parallel-Riesentorlauf der Damen. Österreich bleibt ein guter Boden für Markus, denn 2001 hatte es bei der Junioren-WM in Kärnten (Nassfeld-Hermagor) für Bronze gereicht.

"Mir hat es total die Sprache verschlagen. Beide Knie sind verletzt, ein Kreuzband ist gerissen und vergangene Woche habe ich mir auch noch das andere verletzt. Ich bin auf Krücken gekommen und jetzt das", konnte es der neue World Champion kaum glauben. "Jetzt hat Party erste Priorität", gab Keller auch gleich seine Devise für die kommende Nacht aus. Der Schweizer verhinderte auch einen Skandal-Titel für Schweden. Denn die "schwedenlastige" Jury mit Head Judge Per Sandberg und Judge A (zuständig für Standard Air) Anders Hagen - die restlichen vier Judges kamen aus Frankreich, Japan, Kanada und den USA - hatte ihren Landsmann Stefan Karlsson 43,6 Punkte "ermöglicht".

Während etwa der Finne Antti Autti mit unglaublichen Flugeinlagen glänzte, letztlich aber mit 40,7 Punkten nur Vierter wurde, beeindruckte der Schwede nur durch seine Höhe und hatte zudem zum Abschluss keine ganz reine Landung. Für Steven Fisher (USA) blieb mit drei Zehntel-Punkten Rückstand auf Karlsson wenigstens noch Bronze.

Für Florian Mausser, Österreichs einzigen Beitrag im 52-Mann-Teilnehmerfeld, war bereits zu Mittag in der Qualifikation Endstation gewesen. Der 20-jährige Steirer stürzte in beiden Qualifikationsläufen, verpasste als 39. bzw. 35. mit 19,6 sowie 19,1 Punkten den Finaleinzug klar und belegte im offiziellen Endklassement Platz 41. Im ersten Lauf landete er zum Abschluss seines Programmes im Schnee und im zweiten Versuch passierte ein Fehler leider schon ganz am Anfang.

Damit war die danach folgenden ansprechende Sprungleistung wertlos. "Schade, der Lauf wäre so schön gewesen. Aber ich bin zu Beginn auf der Kante gelandet", ärgerte sich "Flo", für denn die Halfpipe aber nur zur Vorbereitung für seine Spezialdisziplin Big Air am Samstag diente. Wenigstens gab es auf der Tribüne nach seinem Ausscheiden Trost und Küsschen für die ÖSV-Hoffnung bei der WM-Premiere der Luftartisten.

Mausser befand sich mit seinem vorzeitigen Out aber in prominenter Gesellschaft: Der schwedische Weltcupführende Magnus Sterner blieb ebenso auf der Strecke wie die beiden Deutschen Xaver Hoffmann und Vinzenz Lüps (im Halpipe-Weltcup auf den Plätzen zwei und drei). Auch der US-Amerikaner Rob Kingwill (WM-Bronze 1996 in Lienz) scheiterte, sein Landsmann Ross Powers (Olympiasieger von Salt Lake City) war genauso wie der Norweger Kim Christiansen (Weltmeister 2001 in Madonna di Campiglio) gar nicht am Kreischberg zu sehen gewesen.

Im Anschluss an die Siegerehrung hatten dann sowohl die Medaillengewinner als auch die in der Qualifikation Gescheiterten Gelegenheit, bei "Beach am Berg" kräftig zu feiern. Beim Side-Event der WM ging es in der brasilianischen Küstenlandschaft des riesigen Party-Zeltes mächtig zur Sache. Rimini Project, die Sportfreunde Stiller und Nena sorgten dabei beim Beachclubbing für die musikalische Untermalung.

Halfpipe Herren/Finale:
1.Markus KellerSUI45,3 Punkte
2.Stefan KarlssonSWE43,6
3.Steven FisherUSA43,3
4.Antti AuttiFIN40,7
5.Giacomo KratterITA39,9
6.Brett CarpenterCAN38,0
7.Risto MattilaFIN37,6
8.Miikka HastFIN35,6
9.Jan MichaelisGER33,2
10.Seth WescottUSA30,0
11.Domu NaritaJPN29,6
12.Luc OmmenNED15,2

16.1.2003 11:18