Mittwoch, 15. Jänner 2003

Nici Pederzolli pfiff in Halfpipe auf ihren Kreuzbandriss

  • Erste österreichische Freestyle-Medaille bei einer FIS-WM
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Trotz Kreuzbandriss im Knie sprang Nicola Pederzolli am Donnerstag im ersten Abend-Bewerb der 5. FIS-Snowboard-WM auf dem Kreischberg zu Silber in der Halfpipe der Damen. Die unglaubliche Leistung ist umso höher einzuschätzen, weil es nach 15 Alpin-Medaillen der erste Freestyle-Podium-Platz für Österreich bei FIS-Weltmeisterschaften war. Nach "Gold-Sigi" Grabner im Parallel-Slalom der Herren sorgte mit "Nici" ein weiteres Urgestein der International Snowboard Federation (ISF) nun bei der Konkurrenz für die zweite ÖSV-Medaille in der Steiemark.

"Ich freue mich wahnsinnig, dass sich Platz zwei ausgegangen ist. Das werde ich schon ein wenig feiern. Aber ich fühle mich auf dem Kreischberg einfach wohl, denn vergangene Saison habe ich hier gewonnen", war die 28-jährige Tirolerin glücklich. Bisher hatte sie auf eine Medaille bei einem Großereignis warten müssen, jetzt aber klappte es sogar trotz Verletzungs-Handicap bei der Heim-WM. "Das Publikum war ein zusätzlicher Ansporn. Dass es jetzt nach vielen undankbaren Plätzen gerade in Österreich klappt ist natürlich herrlich."

Gratulation auch vom Bundespräsident
Unter den Gratulanten befand sich auch Bundespräsident Thomas Klestil, der sich für die "eindrucksvolle Final-Leistung, die ich mitverfolgt habe und die beste Werbung für das Wintersportland Österreich ist" bedankte und eine baldige Ausheilung des verletzten Knies wünschte.

Oft unbedankt
Undankbare Plätze hat Nici, die in Innsbruck wohnt und für den Wintersportverein Rum startet, tatsächlich schon genug aufzuweisen. Als 18-Jährige schrammte sie vor zehn Jahren bei der ersten ISF-WM in Ischgl als Vierte nur knapp am Stockerl vorbei, danach folgten Platz acht bei der WM 1995 in Davos, bei der WM 1997 in Heavenly Valley war sie nicht für das Finale qualifiziert und bei der WM 1999 in Val di Sole schaute Rang sechs heraus. Nun aber schlug die EM-Vierte und Olympia-Siebente 2002 von Salt Lake City bei ihrer ersten FIS-WM zu.

Kreuzbandriss zu Saisonbeginn
Die zweifache Siegerin bei der SoulCity vor dem Wiener Riesenrad (1997 und 1998) war erst im vergangenen Jahr zur FIS gewechselt und hatte in der Weltcup-Saison 2001/02 vier Weltcupsiege (Tignes, Whistler Mountain, Kreischberg, Ruka) und damit auch die Weltcup-Spezialwertung in der Halfpipe gewonnen. Dann aber folgte in Valle Nevado (Chile) beim Saisonstart am 12. September 2002 der Schock: Bei einem Sprung ins Flache zog sie sich im Snowboardcross (dort war sie im Hinblick auf den Gesamtweltcup angetreten) einen Kreuzbandriss im Knie zu. Ein Operationstermin und die Konzentration auf ihr Studium waren bereits fixiert. Doch Nici überlegte es sich noch einmal anders.

Routine als Vorteil
"Dabei hat es Anfang Dezember beim Training überhaupt nicht funktioniert. Ich musste wegen Schmerzen zehn Tage pausieren und war dann in Kanada frei fahren im Tiefschnee. Dann habe ich mich am Brettl wieder wohlgefühlt und bin in die Schweiz zur Vorbereitung. Ich wollte schauen, dass ich wieder auf den Level vom Vorjahr komme. Doch beim Training auf dem Kreischberg habe ich die anderen gesehen und gedacht ich habe keine Chance. Aber dann haben die meisten ihre Läufe nicht runtergekriegt oder sind gestürzt und da war die Chance da. Mir ist natürlich meine Routine zu Gute gekommen", beschrieb Nici die Geschehnisse bis hin zu Silber.

Vidal war nicht zu schlagen
Nur Titelverteidigerin Doriane Vidal aus Frankreich war nicht zu schlagen, Bronze ging an die Schweizerin Fabienne Reuteler. "Doriane war nicht mehr einzuholen, sie war konstant, dynamisch, ohne Fehler von oben bis unten und hat auch den 720 super gestanden", lobte Pederzolli die Siegerin. Nun wird die Tirolerin die Saison fertig fahren und dann über eine Operation entscheiden. Als auch Sigi Grabner auftauchte und sich mit ihr freute, war das Glück der beiden ehemaligen ISF-Kollegen perfekt: "Ich war so happy über Gold vom Sigi und jetzt hole ich auch noch Silber, Wahnsinn."

Endergebnis Halfpipe Damen:
1.Doriane VidalFRA45,3 Punkte
2.Nicola PederzolliAUT37,1
3.Fabienne ReutelerSUI36,0
4.Dominique ValleeCAN35,1
5.Romina MasoliniITA30,8
6.Andrea SchulerSUI30,3
7.Maelle RickerCAN29,7
8.Cecile AlzinaFRA29,2
9.Soko YamaokaJPN29,0
10.Lori GlazierCAN27,7
11.Mirjam MarbachSUI27,2

15.1.2003 16:39