10.000e bei weltweiten Protesten gegen Irak-Krieg
- Waffeninspektoren finden 3.000 Seiten über Bau einer A-Bombe
- PLUS: Alle Infos zum drohenden dritten Golf-Krieg um den Irak
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Vor 12 Jahren: USA greifen Irak an
Angesichts einer ständig wachsenden Kriegsgefahr im Irakkonflikt haben am Samstag weltweit Massenproteste gegen einen drohenden Militärschlag stattgefunden, während immer mehr amerikanische Truppen in die Golfregion verlegt wurden. Die Waffeninspektoren der UNO fanden inzwischen brisantes schriftliches Material: Pläne für eine Atombombe. Die Pläne stammen allerdings aus den 80er-Jahren.
3.000-Seiten-Papiere zu Atomprogramm
Mit einem brisanten Fund über sein Atomprogramm ist der Irak in massive Erklärungsnot geraten: Die UNO-Waffenkontrollore fanden im Haus eines irakischen Wissenschaftlers umfangreiche Geheimdokumente, die offenbar Hinweise zur Herstellung von Atomwaffen enthalten.
Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, gab das am Samstag dem US-Fernsehsender CNN bekannt. Das 3.000 Seiten umfassende Material gebe Aufschluss über die Anreicherung von Uran und sei nicht deklariert gewesen.
Laser-Technologie aus den 80ern
In den Dokumenten aus den Achtzigerjahren gehe es um "Laser-Technologie", die bei der "Anreicherung von Uran zur Herstellung einer Atombombe" verwendet werde, sagte Baradei in dem gemeinsamen Interview mit Blix und fügte hinzu: "Wir wissen, dass sie so weit nicht gegangen sind."
Bei den Geheimdokumenten handelt es sich Baradei zufolge um "Original-Dokumente in arabischer Sprache", die am Samstag noch übersetzt wurden. Es sei bekannt gewesen, dass der Irak ab Ende der Achtzigerjahre über die Technologie zur Anreicherung von Uran verfügte. "Aber wir hatten bisher keinen Zugang zu den Originaldokumenten".
Mafia-Methoden
Der irakische Wissenschaftler Faleh Hassan Hamsa, in dessen Haus die Dokumente bereits am Donnerstag entdeckt wurden, warf den Inspektoren am Samstag "Mafia-Methoden" vor. Die Inspektoren hätten versucht, ihn unter einem Vorwand außer Landes zu locken. Dagegen betonte Blix, bei den Kontrollen dürfe es "keine heiligen Stätten" geben. Der Fund der Geheimdokumente zeige, dass es erforderlich sei, auch in den Privathäusern von Wissenschaftlern zu suchen.
Privates Interesse an Atomwaffen?
Der irakische Wissenschaftler, bei dem die UN-Waffenkontrollore brisantes Material mit Hinweisen zur Herstellung von Atomwaffen fanden, hat eine Verbindung der Geheimdokumente mit dem ehemaligen irakischen Atomprogramm "kategorisch" zurückgewiesen. Die UN-Inspektoren hätten "persönliche Dokumente" in die Hände bekommen, die mit dem damaligen irakischen Atomprogramm "nichts zu tun" hätten.
Blix und Baradei reisen am Sonntag gemeinsam nach Bagdad. Bei den Gesprächen mit der irakischen Führung sollte es vor allem um die Zusammenarbeit mit den Kontrolloren und den Stand der Inspektionen gehen. Am 27. Jänner müssen sie beim UN-Sicherheitsrat ihren Bericht zu den Waffeninspektionen vorlegen.
Weltweite Proteste für den Frieden
In Frankreich haben am Samstag tausende Menschen gegen einen drohenden Krieg im Irak protestiert. Allein in Paris fanden sich am Nachmittag einige tausend Demonstranten zu einem Protestmarsch durch mehrere Stadtviertel ein.
In Marseille, der zweitgrößten Stadt Frankreichs, demonstrierten ebenfalls einige tausend Menschen gegen einen möglichen Angriff auf Irak. In Lyon gingen nach Angaben der Polizei rund zweitausend Menschen gegen einen Krieg auf die Straße. Im südfranzösischen Toulouse versammelten sich der Polizei zufolge rund 1.300 Menschen zu einer Kundgebung.
In Tokio gingen mehrere tausend Menschen auf die Straße. Sie trugen Banner mit Aufschriften wie "Warum Irak?" oder "Krieg ist nicht die Lösung". Im pakistanischen Rawalpindi bildeten tausende Demonstranten, darunter viele Schulkinder, eine Menschenkette, um ihre Ablehnung gegen einen Krieg zum Ausdruck zu bringen.
In Syrien, dem Nachbarland des Iraks, waren am Samstag zehntausende von Demonstranten unterwegs. Die Protestierenden wollten in der Hauptstadt Damaskus ihre Stimme gegen einen Angriff auf den Irak sowie für eine Unterstützung des Palästinenseraufstandes erheben.
Demos in Washington
In Washington, wo am Samstag eisige Temperaturen herrschten, erwarteten die Organisatoren Zehntausende Teilnehmer. Die Demonstranten wollten vom Kapitol aus zu einem nahe gelegenen Marinestützpunkt am Anacostia-Fluss marschieren und dort fordern, dass ihre "Volks-Inspekteure" uneingeschränkten Zugang zu allen Waffenarsenalen erhalten. Die Demonstranten sprachen von einer Vorbeugedemonstration. So wie US-Präsident George W. Bush einen vorbeugenden Angriff gegen den Irak plante, so wollten sie schon vor einem möglichen Krieg ihre Opposition deutlich machen.
Die amerikanische Bevölkerung ist über die Irakkrise gespalten. Bei der jüngsten Umfrage im Auftrag des regierungs-freundlichen Nachrichtensenders CNN erklärten 49 Prozent der Befragten, Bush handle in der Irakkrise richtig. 44 Prozent hielten sein Vorgehen dagegen für falsch.
Tokio
In Tokio versammelten sich die Demonstranten zunächst zu einem Konzert in einem Park. Einige von ihnen trugen Masken mit dem Konterfei von US-Präsident George W. Bush. "Ist es wirklich richtig, Bush zu folgen?", war auf einem Plakat zu lesen. "Ich kann die aggressive Haltung (der USA) nicht verzeihen", sagte ein 16-jähriger Teilnehmer der Anti-Kriegs-Demonstration. "Es wäre schrecklich, wenn Japan an einem Krieg beteiligt wäre."
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