Montag, 13. Jänner 2003

Israels Armee tötete 2002 mehr als 100 Jugendliche

  • Die meisten jungen Todesopfer waren Steinewerfer
  • PLUS: Alle Hintergründe des Konflikts im Nahen Osten!

Kein Ende scheint der blutige Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu nehmen. Und immer öfter werden Kinder und Jugendliche Opfer der Starrsinnigkeit von Politikern. 115 palästinensische und 36 israelische Jugendliche starben bei Armee-Angriffen und Bomben-Attentaten.

Die israelische Armee hat im vergangenen Jahr 115 unbewaffnete palästinensische Jugendliche getötet. Im Vergleich zu 2001 ist dies ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent, wie eine am Montag veröffentlichte Zählung der Nachrichtenagentur AP ergab.

Die meisten der unter 18-jährigen Todesopfer waren entweder Steinewerfer oder unbeteiligte Passanten, die unter israelischen Beschuss gerieten. Auf der anderen Seite wurden im Jahr 2002 36 israelische Jugendliche von Bomben oder Schüssen palästinensischer Attentäter getötet, wie die AP-Statistik ergab.

Scharfe Kritik an Israels Armee
Die israelische Menschenrechtsgruppe B'tselem kritisierte die hohe Zahl palästinensischer Todesopfer. Grund seien oftmals unklare Feuerbefehle innerhalb der israelischen Streitkräfte. Zudem würden Soldaten auch nicht bestraft, wenn sie überreagierten, sagte ein Sprecher.

Zweite Intifada forderte fast 3.000 Opfer
Seit dem Beginn des Palästinenseraufstands im September 2000 wurden in dem Konflikt 2.014 Palästinenser und 713 Israelis getötet. Darunter waren 275 palästinensische und 72 israelische Kinder und Jugendliche, Selbstmordattentäter nicht eingerechnet.

Nach Armee-Angaben wurde seit Beginn der Intifada gegen 300 israelische Soldaten ermittelt und es gab daraufhin 37 Schuldsprüche. Doch nur bei zwei Verfahren ging es um die Tötung palästinensischer Zivilisten.

London will Palästina-Konferenz
Die britische Regierung hat beschlossen, die von ihr initiierte Palästina-Konferenz am Dienstag ungeachtet des israelischen Reiseverbots abzuhalten. Die palästinensischen Teilnehmer sollen jetzt über eine Videoverbindung zu der Londoner Konferenz zugeschaltet werden, wie am Montag mitgeteilt wurde. Die israelische Regierung hatte nach einem Selbstmordanschlag palästinensischer Extremisten in Tel Aviv am 5. Jänner palästinensische Politiker mit einem Reiseverbot belegt.

13.1.2003 09:35