Mittwoch, 15. Jänner 2003

Häupl: "Mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes"

  • Unterschiedliche Auffassungen zur ÖVP über Steuerreform, Abfangjäger, Studiengebühren, Unis, Post

Der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Vize Michael Häupl hat den Eindruck, dass es zwischen SPÖ und ÖVP "jetzt mehr Gemeinsames als Trennendes gibt". Allerdings bestünden nach wie vor unterschiedliche Auffassungen vor allem über den Zeitpunkt der Steuerreform, Pensionsreform, Abfangjäger, Studiengebühren, Universitäten und Post.

Das erklärte Häupl im "Standard"-Interview (Donnerstag-Ausgabe). In Wirtschaftsfragen, im Bereich der EU, bei Forschung und Entwicklung sowie in der Infrastruktur sei man sich weitgehend einig, berichtete Häupl über die intensiven Sondierungsgespräche dieser Woche. Zur Haltung der Partei-Basis in der Frage einer Koalition mit der ÖVP meinte er: "Tiefes Vertrauen oder eine große Liebe zur ÖVP gibt es bei unseren Funktionären sicher nicht. Aber auch in den starken Arbeiterbezirken ist sicher die Hälfte unserer Leute für die Regierung, weil sie die Erwartung haben, dass sie die Sozialdemokratie beschützt. In der Opposition kann man nichts und niemanden beschützen."

Gegen eine Regierungsbeteiligung der SPÖ spricht sich hingegen der Politologe und SPÖ-Parteihistoriker Norbert Leser in der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) aus. Als Juniorpartner in einer Regierung werde die SPÖ bei der nächsten Wahl auf die 25 Prozent zugehen, ist er überzeugt. Leser - der sich selbst am rechten Flügel der SPÖ bzw. als "gesunde Mischung" der Lager SPÖ und ÖVP einordnet - kritisiert die Obmann-Entscheidung nach dem Rückzug Viktor Klimas: Alfred Gusenbauer sei eine "Fehlbesetzung", mit Ex-Innenminister Karl Schlögl hätte die SPÖ bei der Wahl besser abgeschnitten, meint Leser. Für ihn ist Schlögl "am ehesten" ein "Kreisky 2003", "wenn er nicht schon resigniert hat".

15.1.2003 18:07