'Krone'-Streit: Dichand beruft sich auf Vertrag mit WAZ
- "WAZ will kriegerischen Weg"
- "Fehdehandschuh von diesem Dr. Schumann"
Im Streit um die Nachfolge bei der "Kronen Zeitung" beruft sich Hälfteeigentümer Hans Dichand (81) auf einen schriftlichen Vertrag mit dem deutschen Medienkonzern WAZ. der ebenfalls 50 Prozent an Österreichs größter Tageszeitung hält. In dem Papier aus dem Juli 2001 heißt es: "Die Gesellschafter nehmen zur Kenntnis, dass Herr Hans Dichand bzw. seine Gruppe - die Gruppe ist die Familie - Herrn Dr. Christoph Dichand zum Chefredakteur bestellt, wenn Herr Hans Dichand als Chefredakteur aus welchen Gründen auch immer ausscheidet."
Der Zwist unter den "Krone"-Eigentümern war eskaliert, nachdem Hans Dichand in dieser Woche angekündigt hatte, dass ihm sein 37-Jähriger Sohn Christoph mit 1. Februar als Chefredakteur nachfolgen werde. Die WAZ hat dagegen rechtliche Schritte eingeleitet, da die Essener Medienmacher Dichand junior für "nicht geeignet" halten. Für "absurd" hält Hans Dichand indes diese Weigerung. "Die WAZ will anscheinend den kriegerischen Weg gehen", erklärte er dem ORF-Radio. "Wir wollen, dass die Krone in österreichischer Hand bleibt und nicht in die Hände eines ausländischen Gesellschafters kommt."
Das eigentliche Problem sei für Dichand WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann. Er könne für die Entscheidung nicht einmal Gründe angeben. Schumann habe laut Dichand einmal gesagt, dass das Beste an der "Krone" die "Krone bunt" sei. Chefredakteur der "Krone"-Sonntagsbeilage ist Christoph Dichand schon jetzt. "Warum soll er dann so ungeeignet sein", meinte Dichand senior. Auch sein Sohn könne den Streit nicht verstehen.
Ob Dichand angesichts der jüngsten Entwicklungen nochmals an die WAZ verkaufen würde? "An die WAZ ohne Dr. Schumann schon." Da dieser aber nun einmal dort sei, "müssen wir diesen Streit austragen, man kann es auch Krieg nennen, oder man kann es auch ein völlig nebensächliches Missverständnis nennen, das sich auch vielleicht aufklären lässt". Ein Chefredakteur aus Deutschland sei jedenfalls "völlig unmöglich", so Dichand. "Da würde es einen Aufstand in der Redaktion geben. Die Krone soll unabhängig und österreichisch bleiben."
Dichand senior bleibt jedenfalls dabei, dass sein Sohn am 1. Februar als neuer "Krone"-Chefredakteur antreten werde. "Wenn sich Christoph nicht bewähren sollte, würde ich ihn als Erster abberufen. Ich nehme diesen Kampf auf. Der Fehdehandschuh ist mir von diesem Dr. Schumann vor die Füße geworfen worden. Ich habe ihn aufgenommen und halte ihn fest. Ich hoffe, dass ich alles regeln kann, solange ich noch da bin."
Die WAZ kündigte bereits an, dass sie die Personalie auf jeden Fall rückgängig machen wolle. "Chefredakteur soll der Beste werden, und das in beiderseitigem Einvernehmen", so die WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt und Erich Schumann.
Der Streit um die "Kronen Zeitung" war in den vergangenen Tagen auch Thema in deutschen Tageszeitungen. "Der Tagesspiegel" schrieb etwa vom "Kampf um Österreichs 'Krone'", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" von einem "Erbfolgekrieg" und in der "Süddeutschen Zeitung" hieß es süffisant: "Freunde einer korrekten Berichterstattung müssten rosige Zeiten für Österreich heraufziehen sehen. Denn das nach dem öffentlich-rechtlichen ORF mächtigste Medium des Landes wird einen Chefredakteur bekommen, der über ein interessantes Thema promoviert hat: Der Persönlichkeitsschutz im Medienrecht. Die 'Kronen Zeitung' ist nämlich ein Blatt, das Persönlichkeitsrechte sehr eigenwillig interpretiert."
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