Samstag, 18. Jänner 2003

Haider verteidigt Irak-Reisen & kritisiert US-Kriegspläne

  • Haider sieht sich auf Linie mit Grass, Wecker, Carter und Papst

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat seine umstrittenen Reisen in den Irak verteidigt und die Kriegspläne der USA und Großbritanniens kritisiert. In einem Gastkommentar für die Tageszeitung "Die Presse" schrieb der frühere FPÖ-Obmann, der Krieg gegen den Irak sei "längst beschlossene Sache". Die Weltöffentlichkeit warte nur mehr gebannt darauf, "wann George Bush und sein Schildknecht Tony Blair zur Tat schreiten."

Zugleich formiere sich aber eine andere Allianz, die "den Frieden und keinen Krieg" wolle, betonte Haider. Sie habe "den vermeintlichen Kampf um Freiheit und Demokratie längst als Raubzug nach Öl durchschaut". Haider nannte in diesem Zusammenhang Papst Johannes Paul II, den deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Ex-US-Präsident Jimmy Carter, UNO-Generalsekretär Kofi Annan, die Schriftsteller Günter Grass und John Le Carre, die Musiker Konstantin Wecker und die Musikgruppe U2 sowie die Schauspieler Sean Penn, Kim Basinger und Helen Hunt.

Keiner von ihnen, so Haider, stehe "auch nur im geringsten Verdacht, ein Instrument des Diktators zu sein, selbst wenn er sich in den Irak begibt." Fast scheine es, als wäre es "heute schick, eine differenzierte Betrachtung der Irak-Frage und der Methoden der Kriegstreiberei von Bush und Co. vorzunehmen". Dabei sei vor wenigen Monaten "die Schar der heimischen Politiker und Journalisten, die sich heute selbst in der Rolle von Kritikern der Kriegspläne der USA sehen", schärfste Gegner" seines, Haiders, Irak-Besuchs gewesen. Eine "humanitäre Aktion" sei in einem "wochenlangen medialen Trommelfeuer zum Quasi-Schulterschluss mit einem Diktator umgemodelt" worden."

"Der Feind als Zielobjekt ist erkannt, benannt und eignet sich für die Beschwörung einer Gefahr, die alle Bedenken nivelliert", zitierte der Ex-FPÖ-Chef Günter Grass und meinte, dieser treffe nicht nur "die Strategie der USA zur Durchsetzung ihrer Öl-Interessen" auf den Kopf sondern zeige damit darüber hinaus, "wie das Instrument des politischen Feindbildes funktioniert", das auch in Österreich zur Anwendung komme. "Die Haider-Jagd - nicht nur - in Sachen Irak ist ein Beispiel dafür", schloss der Kärntner Landeshauptmann.

Haider hatte im Februar und im November des Vorjahres den Irak besucht und war auch von Staatspräsident Saddam Hussein (oder möglicherweise von dessen Doppelgänger) empfangen worden.

18.1.2003 07:58