Montag, 13. Jänner 2003

200 Fahrgäste waren zwei Stunden in Zug eingesperrt

  • Klage gegen die ÖBB wegen Freiheitsentzugs angekündigt
  • Aussteigverbot wegen Sicherheitsvorschriften

Nach einem technischen Defekt an einem ICE-Zug in Seekirchen im Salzburger Flachgau müssen nun die ÖBB mit einer Klage wegen Freiheitsentzugs rechnen. Die rund 200 Fahrgäste waren bei den eisigen Außentemperaturen mehr als zwei Stunden im Zug eingesperrt, in dem es weder Licht noch Heizung gab. Auf Grund der hohen Sicherheitsbestimmungen durften sie den Zug nicht verlassen, obwohl dieser zum Teil direkt im Bahnhofsgelände stand.

Durch einen Defekt an einem Triebkopf fiel um 21.00 Uhr beim ICE 766 von Wien nach Innsbruck in Seekirchen die Stromversorgung aus, wie ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer im Gespräch mit der APA bestätigt. Man habe daraufhin eine Taurus-Lok angefordert, welche die Triebwagen-Garnitur nach Innsbruck weiterziehen sollte. Wegen der extrem niedrigen Temperaturen war aber die Hilfskupplung so stark vereist, dass es knapp über zwei Stunden gedauert hat, bis der Zug endlich weiterfahren konnte.

2 Stunden "Dunkelhaft": Nun folgen Anzeigen
Was die Fahrgäste viel mehr ärgerte als die Panne selbst, war die Tatsache, dass sie nicht aus dem Zug aussteigen durften. "Ich wollte aussteigen, den Zug verlassen. Der Schaffner sagte, das sei nicht möglich, er habe keine Anweisung, die Türen zu öffnen", schilderte Monika Seiss, eine der Fahrgäste. "Ich hatte wirklich das Gefühl, in Dunkelhaft zu sitzen. Wenn man zwei Stunden bei Finsternis und Kälte in einem Abteil sitzt, dann verzweifelt man schon." Die Frau erwägt nun eine Klage auf Schadenersatz gegen die ÖBB wegen Freiheitsentzug.

Gfrerer erklärt das Aussteigverbot mit den hohen Sicherheitsauflagen durch die Behörde. "Bei ICE-Zügen darf man nur an gewissen Bahnhöfen aussteigen, weil die Bahnsteige eine ganz bestimmte Kantenhöhe haben müssen." In Seekirchen entspricht die Bahnsteig-Höhe nicht diesen Vorschriften. Außerdem seien die meisten Waggons noch nicht im Bahnhofsgelände gewesen, weshalb die Fahrgäste beim Aussteigen ein Gleis überqueren hätten müssen. Die Fahrgäste seien aber mit Heißgetränken versorgt und durch Lautsprecher-Durchsagen laufend informiert worden", so der ÖBB-Sprecher.

13.1.2003 15:07