Freitag, 10. Jänner 2003

Zwischen Rosenblüten und Backhendln

Abgesehen von der Gegend rund um Klöch gibt sich die Südoststeiermark auf den ersten Blick gar nicht als ausgeprägtes Weinbaugebiet zu erkennen. Aufmerksame Pfadfinder werden hier dennoch ein kulinarisch-önophiles Paradiesgärtlein entdecken.

Früher, da war die Südoststeiermark der Traminer und der Traminer war Klöch, also war die Südoststeiermark eigentlich Klöch und basta.

Das war vielleicht etwas zu schnell. Also: Der Klöcher Traminer war in der Region schon in den sechziger und siebziger Jahren der wichtigste und bekannteste Wein, der sich mit seiner typisch-blumigen Frucht und seinem feinen Süße-Säurespiel sogar bei Weinfreunden im Ausland großer Beliebtheit erfreute.

Dann kam der Traminer – und überhaupt die Weine mit Restsüße – ziemlich aus der Mode und die Klöcher Winzer verloren auch ein wenig den Anschluss an die rasante Qualitätsentwicklung im österreichischen Weinbau. Heute ist die Südoststeiermark nicht mehr nur Traminer und auch nicht mehr nur Klöch; dafür findet man hier ein aufstrebendes Weinbaugebiet, das sich noch recht idyllisch präsentiert, gleichzeitig aber bereits sein enormes Qualitätspotential aufblitzen lässt.

Highlights im Vulkanland
Zwei Betriebe ragen dabei in jeder Hinsicht heraus. Jener der Familie Neumeister am Stradener Kogel und das Weingut Winkler-Hermaden auf dem Kapfensteiner Burgfelsen. Beide Erhebungen sind übrigens vulkanischen Ursprungs und auch das macht – neben dem bereits mediterran und pannonisch angehauchten Klima – zu einem gewissen Teil die Besonderheit der hiesigen Weine aus.

Doch sind die Gemeinsamkeiten dieser beiden Leitbetriebe mit der herrlichen Lage bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Sowohl Albert Neumeister als auch Georg Winkler-Hermaden zeigen mit einer breiten Palette von Top-Weinen vom Welschriesling über Sauvignon blanc und Morillon bis zum Traminer, was in den Spitzenlagen der Region steckt und zeichnen darüber hinaus noch für einige der besten Rotweine der Steiermark verantwortlich.

Dass der Mensch nicht nur vom Wein allein lebt, wurde hier ebenfalls längst erkannt: In Kapfenstein sorgt Schlosswirt Martin Winkler-Hermaden mit feiner, bodenständiger Küche in historischen Gemäuern für das leibliche Wohl der Gäste. Und in Straden ist aus Neumeisters vormaligem Heurigen, der „Saziani Stub’n“, inzwischen ein veritables Gourmetrestaurant geworden, das zu den besten des Landes zählt.

Steirisch - schlaraffisch
Die meisten anderen Etablissements der Region geben es freilich weit bodenständiger. Neben einigen recht beachtlichen Gasthöfen sind es dabei vor allem die rund 300 Buschenschenken, die in der Region eine kulinarische Nahversorgung sicherstellen und dabei natürlich auf Schmankerln wie das Kürbiskernöl, Verhackert & Co. zurückgreifen können.

Dazu kommt noch eine steirische Besonderheit in Form der sogenannten Backhendlstation, die sich wie etwa im Falle der Familie Palz in Klöch als g’standener Gastronomiebetrieb erweist: hier ist der richtige Platz um die perfekte Symbiose zwischen Traminer und Backhendl gleich vor Ort ausgiebig auszuloten.

Feinspitze werden in der Südoststeiermark aber nicht nur im Wirtshaus fündig: in der Nähe der Riegersburg schöpft Josef Zotter seine himmlischen Schokoladen, nicht weit davon brennt Alois Gölles seine edlen Schnäpse und vergärt die besten Essige des Landes, und spätestens wenn man dann noch den feinen Vulcano-Schinken kostet, der hier luftgetrocknet wird, weiß man, dass man sich im Schlaraffenland befindet.

10.1.2003 10:20
GUSTO-Rezeptsammlung