Dienstag, 7. Jänner 2003

ÖBB: Keine Maßnahmen gegen Handybenützer

  • In Italien sind "handyfreie" Waggons geplant
  • In Östereich fühlen sich Bahnfahrer kaum belästigt

In Italien soll es all zu redseligen Handybenützern, die damit ihre Mitmenschen nerven, zumindest in Personenzügen bald an den Kragen gehen. Im römischen Parlament wurde Anfang des Jahres eine Gesetzesvorlage eingereicht, die unter anderem die Einführung von "handyfreien" Waggons auf ICE-Zügen vorsieht. Grund: Immer mehr Reisende sollen sich über dauerquasselnde Mobiltelefonierer beschweren, weshalb auch die Bahnbetreiber an dem Vorhaben interessiert sind. Die heimischen ÖBB orten demgegenüber keinen Handlungsbedarf.

"Bei uns ist nichts dergleichen geplant", erklärte Stefan Pauser von der ÖBB-Pressestelle auf Anfrage. Ein paar Beschwerdeführer gebe es zwar immer, doch handle es sich dabei um die "überwiegende Minderheit". Bisher hätte sich nicht mehr als eine Handvoll Kunden über geschwätzige Mitreisende aufgeregt: "Das sind die üblichen Verdächtigen. Bei uns sind die Leute eher glücklich, dass sie telefonieren dürfen."

Kaum Beschwerden
Bei den Wiener Linien dürfte es sich ähnlich verhalten. Im Jahr 2002 sind beim Kundendienst ganze zehn Beschwerden über "Dauerquassler" in U-Bahnen oder Autobussen eingegangen. "Bei uns ist das also nicht wirklich ein Problem", meinte dazu Pressesprecherin Brigitte Gindl am Dienstag. Zu Beginn, als die Mobiltelefoniererei noch nicht so verbreitet war, hätte es weit mehr Unmutsäußerungen gegeben.

Handy-Hasser im Web
Dass Handy-Hasser existieren, beweist ein Blick ins Internet, wo Gegner des allgegenwärtigen Gebimmels zu mitunter drastischen Maßnahmen greifen. Die Betreiber von www.phonebashing.com erfreuen sich etwa daran, "offensiv" in der Öffentlichkeit telefonierenden Personen das Handy zu entreißen. Sie verkleiden sich dabei selbst als überdimensionale Handys und trampeln mit Vorliebe so lange auf ihrer Beute herum, bis diese sicher nicht mehr klingelt. Die Szenen werden gefilmt und später - mit hämischen Kommentaren versehen - ins Netz gestellt.

7.1.2003 13:13