Starmania: Stars im Quotenhimmel
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Das TV-Phänomen: Weltweit boomen die Casting-Shows. Die Antwort des ORF heißt „Starmania“ und avancierte zur totalen TV-Einschaltdroge. Die Star-Fabrik: Neun Finalisten ringen und singen noch um den Sieg plus Plattenvertrag. Musikinsider diskutieren in NEWS über die ORF-Reality und ihre Auswüchse.
Zumindest auf der Pinnwand des World Wide Web mögen sie sich als globale Superstars fühlen: In der „Hall of Fame“ des ORF rangieren alle zwölf Finalisten der Quotenshow „Starmania“ als Zelebritäten in eigener Sache. Für die Homepage stars.orf.at hübsch fotografiert und präsentiert, als ginge es um ein Hollywood-Casting, werden sie via Internet dem Bestbietenden feilgeboten, der die jungen Solisten gegen Bares trällern lassen möchte. Ob Niddl, Beate, Lukas oder Vera – mit einem Mausklick sind die Astral-Promis zum Greifen nahe.
Einen Link weiter droht die schöne Glamourwelt zum billigen Budenzauber zu verkommen: Dort warten nämlich ehemalige „Taxi Orange“-Kandidaten wie Killy, Mama Robert oder Chris Kornschober auf ihre Käufer. Sieht so das Ende einer Reality-TV-Karriere aus? Soziale Bedenkenträger befürchten eine Supernova. Psychiater Stephan Rudas: „Am schwierigsten wird die Zeit danach. Ohne psychische Nachbetreuung droht das schwarze Loch.“
Bis dahin jedoch fahren die PR-Strategen des Raumschiffs „ORF-Enterprise“ in galaktische Quotensphären: Rund 890.000 Seher verfolgten die letztwöchige Show, eine perfektere TV-Einschaltdroge gab es seit „Taxi Orange“ nicht mehr.
Spätestens am 21. Februar klärt sich dann der Sternenhimmel, und der österreichische Popstar wird aus einem von drei verbleibenden Finalisten gekürt. Als Preis winkt ein einjähriger Plattenvertrag von Universal inklusive CD-Produktion in Los Angeles. Die Sieger-Single ist dann Mitte März wohlfeil. Bis dahin buhlen die restlichen neun Kandidaten in weiteren sechs Shows (Fr., 21.10 Uhr, ORF 1) um die Publikumsgunst, denn jeden Freitag muss einer von ihnen gehen.
Backstage
Ein wenig Realität bekamen die Ruhmsuchenden anscheinend schon zu spüren. Eher in Bodennähe statt in sternenähnlichen Höhen schwebend wirkten die zehn Kandidaten, als NEWS zum Lokalaugenschein bei der dritten Finalsendung vergangenen Freitag am ORF-Küniglberg eintraf. Fertig gestylt und artig in einer Reihe stehend – gut behütet von zwei Kandidatenbetreuern – warten die Hoffnungsträger der heimischen Musikbranche auf einen Fingerzeig von Regisseur Kurt Pongratz, um die einstudierten Schritte bei der Generalprobe vorzuführen. Der Pflicht folgt dann die Kür des Zweifelns. Vera, allein im Backstage-Rummel: „Das Outfit gefällt mir nicht, und außerdem fühle ich mich heute sowieso unwohl.“ Auch Niddl klagt ihr Seelenleid: „Ich bin mit meinem Auftreten bei den Interviews sehr unzufrieden. Eigentlich wollte ich das Ganze einmal meinen Kindern zeigen. Aber jetzt geniere ich mich für mein Verhalten.“ Folglich verlässt sie auch vor der Live-Show ihre Garderobe nicht, trainiert ihre Mimik vor dem Spiegel.
Stressfaktor Star
Faktum ist: Die nervliche Belastung der „Starmania“-Kandidaten steigt von Sendung zu Sendung. Tägliche Proben bis in die Nacht hinein, ein Leben im Hotelzimmer und die belastende Frage, wer als Nächster fliegt, nagt an den jungen Talenten. Psychologin Doris Bach, die schon bei „Taxi Orange“ Beistand leistete, sorgt für das seelische Gleichgewicht der ORF-Sternchen. Ex-Finalist Thomas Putz weiß: „Wenn Frau Bach nicht gewesen wäre, dann wäre einiges bei ‚Starmania‘ schief gelaufen. Bei ihr können wir uns ausheulen.“ So gab es anfänglich für die Kandidaten keine eigene Garderobe, wo sie sich zurückziehen konnten. Putz: „Wir saßen die ganze Zeit in der Kantine – das war die Hölle!“
Folglich entsinnt sich manch einer der früheren Anonymität. Nesthäkchen Vera, 16 Jahre alt und schon ein präsumtives Teenie-Idol: „Ich will unbedingt die Matura machen. Star hin oder her – das kann ich auch noch später werden.“ ORF-Insider bangen nicht minder um die Psychostruktur des Starlets: „Die Vera wäre optisch und auch stimmlich perfekt. Ihre Sensibilität könnte noch ein Problem werden.“
Daniela Bardel
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