Mittwoch, 8. Jänner 2003

Stephan Eberharter will von einer Krise nichts wissen

Die Skifans vor den TV-Schirmen vermeinten einen anderen zu sehen, als Stephan Eberharter, 33, bei der Abfahrt in Bormio sein Comeback nach der Verletzungspause gab. Nein, das war nicht jener Steff, den die Austro-Fans kennen.

Sogar für Laien war leicht auszumachen, wie unsicher der Zillertaler auf seinen zwei Brettern zu Tale kam. Doppelt bitter: Der nächste Auftritt beim Riesentorlauf in Kranjska Gora letzten Samstag brachte keine Erleichterung: Platz 24. Ein herber Rückschlag für einen Vollblut-Skirennläufer wie Eberharter. Die Skiwelt fragt sich: Steff, was ist los mit dir?

Frage der Zeit
Eine Frage, die der 33-Jährige dieser Tage immer öfter gestellt bekommt. Die Antwort: „Ich weiß nicht, was die ganze Aufregung soll. Es ist ja nicht so, dass ich keine Verletzung hatte. Okay, das Kreuzband war Gott sei Dank nicht gerissen, aber immerhin hatte ich Blessuren und starke Prellungen. Die Ärzte haben mir gesagt, das dauert seine Zeit. Drei, vier Wochen auf alle Fälle. Für mich ist das überhaupt kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.“ Und lächelnd fügt er an: „Keine Angst, ich komme wieder zurück.“

Fehlt das Siegergen?
Faktum ist: Die ÖSV-Herren haben einen Eberharter in Topform bitter nötig. Grund: Seit mittlerweile acht Rennen hat es im Weltcup keinen rotweißroten Sieg mehr gegeben. Eberharters Abfahrtssieg am 14. Dezember 2002 in Val d’Isere war gleichzeitig Österreichs letzter voller Erfolg. So eine Flaute gab’s zuletzt vor elf Jahren. Es dräut die Frage: Haben wir vielleicht das Siegen verlernt?

„Blödsinn“, winkt Herren-Cheftrainer Toni Giger ab, die mannschaftliche Stärke sei weiterhin unbestritten. Podestplätze, zahlreiche Top-Ten-Platzierungen und die wiedergewonnene Stärke von Routiniers wie Christian Mayer sprechen für sich. Noch ist Giger ruhig, räumt aber leise ein: „Das Siegen ist derzeit das Schwierigste für uns, obwohl wir gleich einige Läufer haben, die das Potenzial dazu hätten.“ Fast hat es den Anschein, als hätte Eberharters Verletzung das gesamte ÖSV-Mannschaftsgefüge ein wenig durcheinander gebracht, seine Teamkollegen wirken verunsichert.

Walter Unterweger

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    8.1.2003 13:49