OPEC einigt sich in Wien auf Erhöhung der Ölexporte
- VAE-Ölminister: Ausgleich wegen Venezuela- und Irak-Krise
- Saudiarabien gegen die Erhöhung: "Es gibt keine Knappheit"
Die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) haben einen Ausgleich der durch die Streiks in Venezuela bedingten Ausfälle der Ölexporte beschlossen. Dadurch sollen die internationalen Ölmärkte beruhigt werden. Das Kartell erhöht die Ölausfuhren um 1,5 Millionen Fass pro Tag!
Die neue Fördermenge der OPEC liegt demnach nun bei 24,5 Mio. Barrel pro Tag und wird laut einem OPEC-Delegierten mit 1. Februar in Kraft treten. Die Erhöhung betrifft alle OPEC-Staaten außer den Irak. Auch Venezuela, wo derzeit die Streiks die Ölexporte behindern, soll seine Förderung wieder steigern.
Ein zweiter Effekt neben dem Venezuela-Ausgleich: Eine deutliche Verteuerung des Öls über 30 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) könnte - sofern die Zwischenhändler nicht versuchen, aus der allgemeinen Unsicherheit noch mehr Kapital zu schlagen - verhindert werden.
Die neuen Quoten
| Land | Neue Quote | Bisher |
| Saudiarabien | 7,963 | 7,476 |
| Iran | 3,597 | 3,377 |
| Venezuela | 2,820 | 2,647 |
| VAE | 2,138 | 2,007 |
| Nigeria | 2,017 | 1,894 |
| Kuwait | 1,965 | 1,845 |
| Libyen | 1,312 | 1,232 |
| Indonesien | 1,270 | 1,192 |
| Algerien | 0,783 | 0,735 |
| Qatar | 0,635 | 0,596 |
| TOTAL (10) | 24,500 | 23,000 |
Plus die geschätzte Förderrate des Irak (Stand Dezember)
| Irak | 2,310 | 2,310 |
| TOTAL (11) | 26,810 | 25,310 |
Saudis wollten warten
Vor Beginn der Konferenz hatte El Naimi noch erklärt, es gebe am Ölmarkt derzeit keine Versorgungsengpässe. Es gebe zwar bedeutende Lieferausfälle des OPEC-Mitglieds Venezuela, es bestünden aber keine bedeutsamen Ausfälle am internationalen Markt. Eine Erhöhung der Fördermenge über die bestehende Grenze von 23 Millionen Barrel täglich (bpd) würde den Markt überschwemmen. "Das Ziel ist weiterhin 23 Millionen bpd, und wir werden 23 Millionen bpd beibehalten."
Naimi schätzte die Lieferausfälle aus Venezuela auf zwei Millionen Barrel pro Tag. Auf die Frage, ob die OPEC in der derzeitigen Situation den Markt ausreichend mit Öl versorge, sagte der Minister: "Ja, wir wollen sicherstellen, dass es keine Verknappung gibt." Er räumte zugleich ein, dass die OPEC bereits mehr Öl fördere, um die Ausfälle aus Venezuela zu kompensieren.
Spekulanten erhöhten Preise
In den vergangenen zwei Monaten waren die Ölpreise wegen der streikbedingten Lieferausfälle aus Venezuela und der Furcht vor einer Unterbrechung der Ölexporte aus dem Nahen Osten im Falle eines Krieges in Irak um rund 25 Prozent gestiegen. Leichtes US-Öl markierte dabei jüngst mit 33,60 Dollar je Barrel ein Zwei-Jahres-Hoch.Am vergangenen Freitag kostete ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent in London zuletzt 29,68 Dollar und damit drei US-Cent mehr als am Vorabend.
Riad wirft schwarzes Gold auf den Markt
Der Ölminister Saudiarabiens bestätigte zugleich Berichte, wonach das Königreich - als eigenständige Maßnahme zum Kampf gegen den Preisanstieg - innerhalb von zwei Wochen seine Ölfördermenge auf zehn Millionen Barrel pro Tag hochfahren könnte. Derzeit wird die Ölförderung des Königreichs auf knapp über acht Millionen Barrel täglich geschätzt. Auch eine Steigerung der Förderleistung auf 10,5 Millionen sei innerhalb von 90 Tagen möglich. Nach seinen Angaben verfügen innerhalb der OPEC derzeit auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Nigeria und Algerien über freie Förderkapazitäten.
Mit höheren Exporten will das Ölkartell nach Einschätzung von Experten nicht vornehmlich auf den Druck der USA und der westlichen Verbraucherländer reagieren. Das Kartell versuche vielmehr aus Eigeninteresse, mit höheren Ausfuhren eine erneute deutliche Verteuerung des Öls über 30 Dollar je Barrel zu verhindern und den Preis wieder in die angestrebte Spanne zwischen 22 und 28 Dollar zu bringen.
Schließlich hatten sich die Ölpreis-Schocks der 70er und 90er Jahre negativ auf die OPEC selbst ausgewirkt. Diesen war jeweils eine konjunkturelle Abkühlung gefolgt, begleitet von schwindender Nachfrage der westlichen Verbraucherländer nach Öl und damit wieder sinkenden Preisen.
Darüber hinaus geht es der OPEC den Experten zufolge auch um die Verteidigung von Marktanteilen gegen Energieträger wie Erdgas und andere Brennstoffe sowie gegen Förderländer außerhalb der OPEC wie Russland, Mexiko, Norwegen oder Großbritannien. Bisher decken die OPEC-Ölexporte etwa 60 Prozent des weltweiten Bedarfs.
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