Montag, 6. Jänner 2003

Hallencup: Erfolgsstory mit kleinen Schönheitsfehlern

  • Zuschauerrekord trotz Fehlens vieler Starspieler
  • Palme: "Hallenfußball lebt, wenn man ihn richtig einordnet"

Für Turnier-Organisator Heinz Palme war die diesjährige Auflage des T-Mobile Fußball-Hallencups in der Wiener Stadthalle eine Erfolgsstory mit kleinen Schönheitsfehlern. "Wir haben einen neuen Zuschauerrekord geschafft und damit eine tolle Basis für die Zukunft gelegt", freute sich Palme, der allerdings das Fehlen zahlreicher Stars bei den Wiener Großklubs Austria und Rapid kritisierte. "Die Vereine müssen selbst wissen, ob sie das Publikum verärgern oder zufrieden stellen wollen."

Dennoch überwogen in Palmes Resümee die positiven Aspekte. Mit 106 Toren fielen um sieben Treffer mehr als im Vorjahr, zudem strömten in den vier Turniertagen knapp 31.000 Zuschauer (2002: 27.315) auf den Wiener Vogelweidplatz, was einen Tagesschnitt von rund 7.700 Fans bedeutet. "Es hat sich bewährt, dass wir vom Dezember weggegangen sind und nur noch im Jänner spielen. Das dürfte nun auch in den Köpfen der Zuschauer sein", meinte Palme. Besonders angetan war der Organisator von der Stimmung in der Stadthalle. "Ich habe schon Matches in Barcelona, Manchester oder Dortmund gesehen, aber die Atmosphäre hier ist mindestens gleichwertig. Der Hallen-Fußball lebt, wenn man ihn richtig einordnet."

Kritik an Austria und Rapid
Unverständnis brachte Palme der Aufstellungspolitik von Rapid und Austria entgegen, die viele Stammspieler nicht einsetzten. "Ein normaler Arbeitgeber kann doch zu seinen Angestellten auch nicht einfach freistellen, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht. Und das Argument der Verletzungsgefahr trifft nicht zu, wie man bei den letzten Turnieren gesehen hat", bemängelte Palme, der vor allem von Rapid enttäuscht war. "Da bauen sie einen großen Fan-Stand auf, die Darbietungen auf dem Parkett konnten dabei aber nicht mithalten. Normalerweise müssten Marketing-Aktivitäten und sportliche Leistungen ineinander greifen."

Keine Sanktionen
Einige Vereine würden laut Palme die Chancen nicht erkennen, die ihnen der Bandenzauber bietet. "Es ist wichtig, den Fußball über den Winter hinweg zu präsentieren. Die Halle ist in der langen Winterpause die einzige Möglichkeit, mit den Fans in Kontakt zu treten und den Sponsoren im Fernsehen zu Auftritten zu verhelfen." Sanktionen hat die Bundesliga für jene Vereine, die mit ihren B-Garnituren antraten, allerdings nicht vorgesehen. "Belohnen statt Bestrafen" lautet die Philosophie, die für die Klubs finanzielle Zuckerl vorsieht, die einen Großteil ihrer Kaderspieler vom Herbst aufs Parkett schicken.

Daum will Prämien abschaffen
Für Christoph Daum, den siegreichen Trainer von Austria Wien, sollten gerade die wirtschaftlichen Aspekte in den Hintergrund treten, um wieder attraktiveren Hallen-Fußball zu ermöglichen. So kann sich der Deutsche unter anderem die Abschaffung von Prämien vorstellen, um das spielerische Moment zu fördern. Sein Verein freilich war ein großer finanzieller Nutznießer des derzeitigen Systems und darf sich auf Grund des Turniersiegs über einen ansehnlichen Betrag von knapp 100.000 Euro inklusive Prämien freuen.

Djalminha rettete Austrias Ehre
Entscheidend für den insgesamt 19. Triumph des Stadthallen-Rekordsiegers war das Auftreten des brasilianischen Superstars Djalminha ab Samstag, das der zu Turnier-Beginn lahmenden violetten Spielfreudigkeit einen deutlichen Schub versetzte. "Ich möchte mich bei allen anderen Vereinen bedanken, dass sie Djalminha spielen ließen und nicht hart attackierten. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport, der Erfolg gehört nicht Djalminha allein, sondern dem ganzen Team", sagte Daum, dessen Verein neben dem Sieg im Hallencup mit dem Erfolg im Legenden-Turnier und im U13-Bewerb das "Hallen-Triple" schaffte und zudem mit Thomas Mandl den besten Torhüter und den "Hallen-Liebling" stellte.

Sportklubs Bradaric wurde "Hallen-König"
Der Titel des Hallen-Königs ging allerdings mit Amir Bradaric an einen Spieler des unterlegenen Finalisten Wiener Sportklub, dem nach acht Jahren Pause ein beeindruckendes Comeback in der Halle gelang. Thomas Wagner vom SV Mattersburg sicherte sich mit neun Treffern überlegen die Krone des Torschützenkönigs. Den Grundstein dafür legte der Stürmer mit vier Treffern beim 9:4 der Burgenländer gegen den entthronten Titelverteidiger "Red Zac Team Erste Liga" im Match um Platz drei, der unterhaltsamsten Partie im Turnierverlauf.

6.1.2003 12:12